Patient Deutschland – Eine Therapie

Deutschland liegt im Koma. Doch anstatt den Kranken zu therapieren, erhält er Placebos, Trostpflästerchen und Konsenssoße als vermeintliches Stärkungsmittel. Auch wenn schon viel geschrieben wurde über die typische deutsche Krankheit mit dem Namen Reformphobie, lesenswert ist dieses Buch auf alle Fälle. Die insgesamt 17 Autoren brillieren im ersten Buchteil durch eine kluge, tiefe Anamnese der Leiden des „eingebildeten Kranken“; im zweiten Teil mixen sie Rezepturen zur „Wiederherstellung der Selbstheilungskräfte“ und im dritten Teil kommen vor allem jüngere Schreiber zu Wort, die dem Siechenden Vorschläge für eine „Anti-Aging-Kur“ unterbreiten, auf dass er nicht vorzeitig dahinscheide.

Entgegen des ersten Eindrucks, zu dem auch noch die Umschlagsgestaltung aus Verbandsmull und Pflaster beiträgt, erweist sich die Patienten-Parallele aber keineswegs als so penetrant, wie befürchtet. Dafür sorgt schon die Auswahl einschlägiger Autoren, unter denen sich die namhaften Unternehmensberater Reinhard K. Sprenger, Fredmund Malik oder der McKinsey-Chef Jürgen Kluge befinden. Die Ökonomen Horst Siebert, Thomas Straubhaar oder Axel Börsch-Supan sind vertreten, aber auch die Journalisten Ursula Weidenfeld vom Berliner Tagesspiegel oder Nikolaus Piper von der Süddeutschen Zeitung.

„Die Grundmelodie, die durch die meisten dieser Anamnesen und Therapievorschläge für den Patienten Deutschland klingt, lautet: mehr Mut –- das ist es, was Deutschland fehlt. So muss der Patient Deutschland begreifen, dass Medizin erstens nicht kostenlos zu haben ist und zweitens immer bitter schmeckt, wenn sie wirken soll.“ Nina Hesse

Von |2017-09-16T09:13:47+00:00September 16th, 2017|Fredmund Malik as author|Kommentare deaktiviert für Patient Deutschland – Eine Therapie