{"id":2633,"date":"2013-01-18T15:54:52","date_gmt":"2013-01-18T14:54:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.malik-management.com\/?page_id=2633"},"modified":"2013-01-18T15:54:52","modified_gmt":"2013-01-18T14:54:52","slug":"mehr-firmenliquiditaet-als-2013-war-nie-aber-mehr-stagnation-selten-prof-dr-dr-gunnar-heinsohn-bremen-am-13-01-2013","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.malik-management.com\/de\/mehr-firmenliquiditaet-als-2013-war-nie-aber-mehr-stagnation-selten-prof-dr-dr-gunnar-heinsohn-bremen-am-13-01-2013\/","title":{"rendered":"Mehr Firmenliquidit\u00e4t als 2013 war nie, aber mehr Stagnation selten"},"content":{"rendered":"<p><a title=\"Heinsohn-Antworten\" href=\"https:\/\/blog.malik-management.com\/heinsohn-antworten\/\">zur \u00dcbersicht der Antworten<\/a><br \/>\n&nbsp;<br \/>\n<strong>Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn, Bremen am 13.01.2013:<\/strong><br \/>\n<img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2648\" style=\"margin-right: 15px;\" title=\"Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn\" src=\"https:\/\/blog.malik-management.com\/wp-content\/uploads\/2011\/12\/malik-blog-heinsohn21.jpg\" alt=\"\" width=\"90\" height=\"120\" \/><\/a>Firmen d\u00fcrfen nicht an den Zentralbanktresen, wo sie gerne w\u00e4ren, wenn ein Zins von nahe Null gefordert wird. Die Gesch\u00e4ftsbanken als Kreditgeber f\u00fcr die Firmen aber bekommen dort Geld, verleihen es aber keineswegs f\u00fcr \u2013 sagen wir \u2013 ein Prozent weiter. Eben deshalb besorgen sich etliche ihrer Firmenkunden Geld lieber \u00fcber die Ausgabe von Schuldtiteln (corporate bonds). Die m\u00fcssen sie zwar genauso tilgen wie einen Bankkredit. Sie m\u00fcssen auch Zins daf\u00fcr anbieten, aber weniger als die Banken ihnen abverlangen. \u00dcberdies m\u00fcssen sie die Titel nicht direkt mit Pfand unterlegen. Nat\u00fcrlich wird ihre generelle Verpf\u00e4ndungsf\u00e4higkeit bzw. Eigentumspotenz von Ratingagenturen gemessen, so dass sie bei einem schlechten Rating mehr Zins anbieten m\u00fcssen als die besser bewertete Konkurrenz. Aber sie k\u00f6nnen doch freier agieren als im direkten Kontakt als Schuldner mit einem Bankgl\u00e4ubiger.<br \/>\nNiemals zuvor in der Menschheitsgeschichte begaben Firmen so viele Schuldtitel wie 2012. Gegen\u00fcber dem bisherigen Rekordjahr 2011 ist der globale Durchschnitt um 13% gestiegen. US-Firmen besorgen sich mit 975 Milliarden Dollar 35% mehr als 2011. Europa legt um 6% zu auf 1,226 Billionen Dollar. \u00a0Asien\/Pazifik schafft ein Plus von 22% auf 673 Milliarden Dollar. Und niemals zuvor in der Geschichte m\u00fcssen die Firmen mit 3,632% weniger Zins anbieten als im letzten Quartal 2012 (<a href=\"http:\/\/www.ifre.com\/corporates-shine-as-bond-volumes-hit-records-in-2012\/21059846.article\" target=\"_blank\">http:\/\/www.ifre.com\/corporates-shine-as-bond-volumes-hit-records-in-2012\/21059846.article<\/a>).<br \/>\nAll diese Zuw\u00e4chse liegen erheblich \u00fcber dem Wirtschaftswachstum von Vergangenheit und Zukunft, passen also nicht zum wirklichen Investitionsbedarf. Die USA schafften n\u00e4mlich 2012 mit 3,1% nicht einmal das langj\u00e4hrige Durchschnittswachstum von 3,25% aus der Periode 1947 bis 2012. Und selbst das bescheidene 2012er Ergebnis wird vorrangig durch Ausgabensteigerungen bzw. Zusatzverschuldungen des Staates erreicht (<a href=\"http:\/\/www.tradingeconomics.com\/united-states\/gdp-growth\" target=\"_blank\">http:\/\/www.tradingeconomics.com\/united-states\/gdp-growth<\/a>). Der Euroraum schrumpfte 2012 sogar um 0,4% (<a href=\"http:\/\/ec.europa.eu\/europe2020\/pdf\/ags2013_en.pdf\" target=\"_blank\">http:\/\/ec.europa.eu\/europe2020\/pdf\/ags2013_en.pdf<\/a>). F\u00fcr 2013 erwartet der IWF f\u00fcr die USA gerade mal 2,1% und f\u00fcr den Euroraum sogar nur 0,2 % Wachstum (<a href=\"http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/survey\/so\/2012\/res100812a.htm\" target=\"_blank\">http:\/\/www.imf.org\/external\/pubs\/ft\/survey\/so\/2012\/res100812a.htm<\/a>)<br \/>\nWozu aber machen die Privatfirmen 2012 fast drei Billionen Dollar zus\u00e4tzliche Bondschulden? Brauchen sie tats\u00e4chlich mehr Cash als sonst f\u00fcr das Erf\u00fcllen ihrer Verpflichtungen? Keineswegs! Denn schon am 7. Februar 2011 bezichtigt deshalb US-Pr\u00e4sident Obama die heimischen Unternehmen eines regelrechten &#8222;Investitionsboykotts&#8220;. Denn allein die US-Firmen sitzen damals auf 2 Billionen Dollar kurzfristig fl\u00fcssigen Mitteln statt sie produktiv einzusetzen. Warum tun sie das und was verstehen der Pr\u00e4sident und die \u00d6konomieprofessoren in seinem Beraterteam nicht?<br \/>\nWalter BAGEHOT (1826-1877) formuliert in <em>Lombard Street<\/em> (1873) seine wichtigste Zentralbankregel f\u00fcr das Versorgen von Banken, die momentan illiquide, aber nicht insolvent sind, also noch verpf\u00e4ndbares oder verkaufbares Eigentum haben: &#8222;F\u00fcr die Kredite ist f\u00fcr gute Sicherheiten ein sehr hoher Zinssatz zu verlangen. Das wird die Mehrzahl der Kreditantr\u00e4ge von Bankern verhindern, die sie gar nicht brauchen.&#8220;<br \/>\n&#8222;Gar nicht brauchen&#8220; besagt, dass andere Banken nicht pl\u00f6tzlich zus\u00e4tzliche Firmenschuldner gefunden haben, die sie \u2013 gegen deren gute Sicherheiten \u2013 mit Liquidit\u00e4t versorgen m\u00fcssen. Wird nun die \u2013 meist \u00fcber Nacht \u2013 illiquide Konkurrenzbank zwar gerettet, daf\u00fcr aber mit einem erh\u00f6hten Zins belegt, so werden die anderen H\u00e4user nicht unruhig. Bek\u00e4me dieses Haus aber pl\u00f6tzlich Geld f\u00fcr Null, w\u00e4ren alle anderen im Nachteil, die selber 4 oder 5 Prozent zu erbringen hatten und irgendwann wieder zu erbringen haben. Deshalb greifen bei einem Nullzins so gut wie alle H\u00e4user zu, obwohl sie das Geld keineswegs f\u00fcr neue Firmenkunden ben\u00f6tigen. Bagehot will das verhindern, weil dieses Geld praktisch nur in Preissteigerungen investiert werden kann und eben nicht an Unternehmen weiter wandert, die Innovationen oder Effektivit\u00e4ts- und Produktivit\u00e4tssteigerungen vornehmen. Kurzum, Bagehot will Spekulationsblasen durch das Nullzins-Geld vermeiden.<br \/>\nNat\u00fcrlich kommt f\u00fcr jede Firma der Moment, in dem sie investieren muss, weil Modernisierungen bei der Konkurrenz den eigenen Betrieb veralten und im Preis senken, sie selbst die Konkurrenz so vor sich her treiben will oder auch nur Kredite f\u00fcrs laufende Gesch\u00e4ft zu erneuern sind. Da man den Nullzins f\u00fcr die Gesch\u00e4ftsbanken vor diesen Firmen nicht verheimlichen kann, wollen nun auch sie &#8222;billiges&#8220; Geld, obwohl sie es aktuell &#8222;nicht brauchen&#8220;. Und wenn ein Unternehmen \u2013 im Normalfall des st\u00e4rkste mit bester Bonit\u00e4t \u2013 damit beginnt, m\u00fcssen die Konkurrenten mitziehen. Denn bekommt die Spitzenfirma \u00fcber Bonds Geld f\u00fcr 3 Prozent oder weniger, w\u00e4hrend man selbst zum Investitionszeitpunkt bei Banken 5 oder 6% hinlegen muss, kann das schon die Differenz zum Untergang ausmachen.<br \/>\nAllerdings bleiben auch billig geliehene Dollar, Euro oder Yen Schulden der Firmen. Auch sie verf\u00fchren dazu, sie in Preissteigerungen zu investieren, solange der eigene Betrieb sie nicht braucht. Auch nach 2002, als die FED den Zins auf nominal 1 (real -0,75) Prozent setzt, beteiligen sich die Finanzabteilungen an der Blasenbildung auf fast allen M\u00e4rkten. Weil 2013 mit dieser Inflation die Deflation gebremst wird, mag sich die FED einmal mehr keine Sorgen machen. Wenn die Deflation aber nicht mehr zu verhindern ist, fallen die Verm\u00f6genspreise selbst der st\u00e4rksten Firmen, w\u00e4hrend ihre Tilgungs- und Zinspflichten aus den Bonds unver\u00e4ndert hoch bleiben. Hier geht es um eine fatale Folge des Nullzins-Fehlers, der doch &#8222;eine befriedigende Wirtschaftsleistung bei den Unternehmen f\u00f6rdern&#8220; sollte (Alan Greenspan, 2002).<br \/>\nObwohl das schon vor zehn Jahren nicht funktionierte, alarmiert Jeremy Stein, Harvard-\u00d6konom und Mitglied im Gouverneursrat der FED, am 30. November 2012 die Welt mit der Nachricht, dass all die zentralbanklichen Nullzins-Billionen nicht f\u00fcr die erflehten Firmenerweiterungen eingesetzt werden. Wie schon nach 1932 \u2013 was Stein entgangen zu sein scheint \u2013 nutzen die Unternehmen das zinsg\u00fcnstige Geld zur vorzeitigen Abl\u00f6sung h\u00f6herzinslicher Schulden und zur Aussch\u00fcttung an Anteilseigner, die ansonsten nichts bekommen h\u00e4tten.<br \/>\nImmer noch versteht man in der FED nicht, was Unternehmen sind. Dabei geht es um Verm\u00f6gen, die ihre immaterielle Eigentumsseite gegen Preisverfall und Vollstreckung zu sch\u00fctzen haben. Das versuchen sie durch Neuerungen auf der materiellen Besitzseite, also im &#8222;Betrieb&#8220;, wo Waren modifiziert und Fertigungsprozesse revolutioniert werden. F\u00fcr die Umsetzung dieser Innovationen m\u00fcssen sie Geld in Anlagen und L\u00f6hne investieren. F\u00fcr das Leihen dieses Geldes m\u00fcssen sie Kreditvertr\u00e4ge mit Gesch\u00e4ftsbanken eingehen, wof\u00fcr sie Eigentumspfand brauchen. Haben sie solches noch, m\u00fcssen sie es erst einmal mit Verlustrisiko f\u00fcr Kredit einsetzen und obendrein Zins zusagen. Unternehmen investieren mithin, wenn sie f\u00fcr eigene oder gegen fremde Innovationen das tun m\u00fcssen und nicht wenn der Zins niedrig ist. Stehen sie in der Konkurrenz unangefochten, brauchen sie das Nullgeld nicht, \u00e4rgern sich aber, weil andere zugreifen, die ihnen als Unternehmen nicht das Wasser reichen, sie aber \u00fcber preistreibende Spekulation im Gewinn schlagen k\u00f6nnen. Und wenn sie dagegen durch eigene Anleihen mitziehen, dient das eben nicht dem Wachstum, sondern dem weiteren Aufpumpen von Blasen. Und gerade f\u00fcr diese mortale Option sind Firmen 2013 besser ger\u00fcstet als je zuvor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>zur \u00dcbersicht der Antworten &nbsp; Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn, Bremen am 13.01.2013: Firmen d\u00fcrfen nicht an den Zentralbanktresen, wo sie gerne w\u00e4ren, wenn ein Zins von nahe Null gefordert wird. Die Gesch\u00e4ftsbanken als Kreditgeber f\u00fcr die Firmen aber bekommen dort Geld, verleihen es aber keineswegs f\u00fcr \u2013 sagen wir \u2013 ein Prozent weiter. 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