Leistungsunterschiede PISA Ergebnisse2013-12-30T12:04:03+00:00

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Antwort auf das Posting von User John Rambo vom 18.12.2013:
„Im Zusammenhang zu den Pisa Ergebnissen sollte es Herr Prof. Dr. Dr. Heinsohn aber nicht unerwähnt lassen, dass in Ländern wie Shanghai für Schüler nicht selten ein geradezu mörderischer Leistungsdruck besteht und es nicht selten zu Suizid kommt aufgrund der extrem hohen Anforderungen in der Schule. Das erscheint mir ein recht hoher Preis für ein gutes Pisa-Ergebnis. Die Aussage: “Dass Amerika sich sehr warm anziehen muss mit 50% aller Babys bei Leuten, die als 17-Jährige das Niveau 13-jähriger Whites und 12-jähriger Asians haben“ habe ich nicht so ganz verstanden. Geht es hier um die Schwarze Bevölkerung der USA, der einige Wirrköpfe bekanntlich einen unterdurchschnittlichen IQ attestieren?“
Hier ist eine Klarstellung bzw. sehr klare Distanzierung von derartigem Gedankengut angebracht.“
 
Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn, Bremen am 20.12.2013:
„Sind die Wissenschaftler im „National Assessment of Educational Progress“ (NAEP) der USA, die Leistungsunterschiede messen, wirklich Wirrköpfe? Sind die Gelehrten an den universitären Forschungsinstituten der USA Wirrköpfe, die seit 1973 solche Messungen in der Gesamtnation erheben? Diesem Hochmut kann ich mich nicht anschließen. Die Erforschung des „achievement gap“ liegt in der Hand von sehr kompetenten Leuten. Wer ihre Ergebnisse in einem Schnellüberblick studieren möchte, ist hier passabel bedient: http://en.wikipedia.org/wiki/Achievement_gap_in_the_United_States.
Wer die amerikanischen Forscher widerlegen möchte oder gar Lösungen für die Überwindung des „achievement gap“ parat hat, darf in den USA bis hoch zum Präsidenten auf ungeteilte Aufmerksamkeit rechnen. Denn man hat zwischen 1973 und 2012 trotz des höchsten Geldeinsatzes für Erziehung in der Geschichte der Menschheit die Differenzen unter den 17-Jährigen nicht reduzieren können. Kleine Aufholerfolge der Jüngeren sind in diesem Alter bereits wieder verschwunden: „Both 9 and 13 year-olds scored higher in reading and mathematics in 2012 than students their age in the early 1970s. Average reading and mathematics scores in 2012 for 17 year-olds were not significantly different from scores in the first assessment year„. (http://nationsreportcard.gov/ltt_2012/summary.aspx).
Nach fast 40-jährigen und sehr ernsthaften Versuchen sind die Sorgen des Landes verständlicherweise groß. Sie bleiben den Konkurrenten nicht verborgen. Harold A. McDougall von der Howard University (linkes politisches Spektrum) hat deshalb vor einem Jahr vorgeschlagen: „President Obama needs to create a sense of agency and engagement among the American people as we face depressing economic and social times. A signature program to close our achievement gaps would be a good way to do that. I say gaps because there is more than one, though they are all related. There is the academic gap between Asian and white youth on the one hand, and black and Latino youth on the other. There is also an academic gap between all American youth and their counterparts in 24 other industrialized countries. This gap is in large measure a function of the racial and economic inequity of our public education system, an inequity that is much greater than in any of our competitor countries. The Wall Street Journal reports this inequity has ‘created the equivalent of a permanent, deep recession in terms of the gap between actual and potential output in the economy‘ „. (http://www.huffingtonpost.com/harold-a-mcdougall/closing-the-achievement-g_1_b_1927457.html).
Solcher Verzweiflung nähert sich die Stimmung vor allem deshalb, weil die Hoffnung schwindet, dass Wohlstandsgewinne das Problem von selbst lösen werden. Inzwischen weiß man nämlich, dass nicht einmal die bestversorgten Kinder überhaupt – also der Nachwuchs der weißen amerikanischen sowie kanadischen Mittel- und Oberschichten – an das Niveau von jungen Chinesen und Koreanern herangeführt werden kann, die aus schwierigsten Verhältnissen nach Amerika gelangt sind, aber bei den Leistungen nicht – wie aufgrund der Herkunftsarmut erwartet – hinten liegen, sondern sich fast spielerisch vor alle anderen setzen. Amerikanische Chinesen wiederholen also national, was chinesische Chinesen im Weltvergleich vorlegen.
PS: Länder mit hoher Kindersterblichkeit durch Unfälle, Krankheiten, Mangelernährung oder auch Schülerselbstmorde erreichen naturgemäß eine geringere durchschnittliche Lebenserwartung. Die global höchste Lebenserwartung erreichen momentan mit 83 Jahren aber Japan und die Schweiz. In der Tat gehören sie zu den Ländern, deren schulische Anforderungen von weniger Erfolgreichen gerne als stressig beschrieben werden. Daran ist manches richtig. Noch stärker gilt das etwa für Singapur, das mit 82 Jahren aber ebenfalls gut dasteht.
Nicht übergehen aber darf man, dass nach Anstrengungen errungene Erfolge ein hohes Maß an Zufriedenheit vermitteln. Hingegen ist die Rede vom Schulversager, der für sein Scheitern durch wohlige Entspanntheit belohnt werde, eine liebenswerte Mär. Oft genug folgen auf das Scheitern nämlich lebenslängliche Frustrationen, die sich auch ohne Selbstmord negativ auf die Lebenserwartung auswirken, weil ihnen überdurchschnittlich häufig mit Rauschmitteln, Fehlernährung und Bewegungsmangel begegnet wird.
Nationen, die sich gegen Schulstress entscheiden, werden am Ende also nicht glücklicher abschneiden als die als strebsam verleumdeten. Gerade die erst heute richtig Fahrt aufnehmende Globalkonkurrenz zwischen den einzelnen Arbeitskräften spricht dafür, dass mehr Anstrengungen in der Schulzeit mehr und nicht weniger Lebenszufriedenheit bewirken werden.“
 
Nachtrag vom 20.01.2014 von Prof. Dr. Gunnar Heinsohn:
„Die Verzweiflung über Amerikas Schülerleistungen und das milliardenschwere Scheitern so vieler Versuche, die Rückstände von immer mehr Kindern auf die übrigen Schüler zu verringern, erreicht die Regierungsspitze in Washington. Der Erziehungsminister (U.S. Secretary of Education) klagt am 13. Januar 2014: „Many American districts and schools […] are showing […] staggeringly large achievement gaps. […]. America now ranks 22nd in math skills and 14th in reading among industrialized countries — and our achievement gaps are not narrowing“.  Parent Voices for World-Class Education, ED.gov, 13.01.2014
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