Deflationsverzögerung erster und zweiter Klasse2013-12-11T13:40:12+00:00

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Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn, Bremen am 05.12.2013:
Preissteigerungen, die von der Eigenkapital auslöschenden Deflation wegführen, gibt es erster und zweiter Klasse. Wenn Unternehmenspreise durch Modernisierung verteidigt werden, wenn Produktionserweiterungen erfolgen oder gar nie zuvor gesehene Branchen entstehen, müssen Kredite auch dann aufgenommen werden, wenn die Preise für neue Technologien sowie die Löhne für rare Experten über den bisherigen liegen. Von solcher heiß ersehnter Preissteigerung aber sind die meisten OECD-Staaten weit entfernt.
Erfolg gibt es beim zweitklassigen Auftrieb, der nicht aus Unternehmensdynamik, sondern aus Zentralbank-Nullzins für Investmentbanken resultiert, die Unternehmen nur von außen kennen, aber alles so lange hochpreisen können, wie die – in sich weitgehend unveränderten – Erträge über einem Zins von 0,25 oder 0,1 Prozent bleiben.
Natürlich merken die Zentralbanken, dass ihnen nur leistungsfreie Preisblasen gelingen. Auch das Hochziehen von fallenden Staatstitelpreisen klappt durch Nullzins noch so lange, wie das Investieren in solche Schrottpapiere nicht mit Eigenkapital unterlegt werden muss wie jeder Kredit an Unternehmen und auch der Ankauf jeder Aktie. Doch bei den allein zählenden Unternehmenskrediten kommt man einfach nicht voran. Im Gegenteil, es geht sogar rückwärts. So fallen in der Eurozone solche Ausleihungen zwischen Januar 2010 und Oktober 2013 um rund acht Prozent. In ihrer Verzweiflung suchen die Zentralbanken nach neuen Wegen, durch die ihr Nullzinsgeld nicht nur Blasen bewirken, sondern Unternehmen und Arbeiter in Leistung treiben. Dafür sollen – so eines der Gedankenspiele – den Geschäftsbanken die auf Konten der Zentralbanken liegenden Summen durch Negativzins stetig beschnitten werden. Dann – so hofft man – würden sie es doch lieber an Unternehmen ausleihen.
Zusätzlich denkt man daran, nullzinsige Langfristkredite in Billionenhöhe nicht mehr wie seit 2011 bedingungslos und gleich über drei Jahre, sondern nur einjährig und mit einer Verpflichtung zum Weiterverleihen herauszureichen. Das aber hat die Bank of England mit ihrem „Funding for Lending Scheme“ längst versucht und ist damit kläglich gescheitert. Während des Laufens dieses Programms sind die Kredite an Unternehmen weiter zurückgegangen. Die Wiederholung unbrauchbarer Instrumente zeigt einmal mehr, dass Zentralbanken Unternehmen nicht verstehen. Die investieren schließlich nicht, wenn Zinsen niedrig sind, sondern wenn sie müssen, weil Innovationen der Konkurrenz sie gefährden oder sie mit eigenen Neuerungen ihre Branche vor sich hertreiben können – und auch das alles nur, wenn sie über Verpfändungsmasse für die Kreditbesicherung verfügen.
Geschäftsbanken können Unternehmen nun weder Erfindungen noch Kollateral für die Kreditbesicherung zustecken. Und sie können ihnen keine kompetenten Arbeitskräfte zuführen, die technischen Fortschritt vorlegen oder eine erfolgreiche Aufholjagd schaffen. Wo aber solche Bedingungen erfüllt sind, braucht niemand die Geschäftsbanken zur Kreditvergabe zu animieren. Sie würden sich um solche Schuldner reißen. Da auch Zentralbanken über keinerlei Geheimreserven verfügen, aus denen sie Unternehmen Pfandeigentum, Patente und Spezialisten übertragen könnten, müssen sie sich auch weiterhin auf das Aufpumpen von Preisblasen beschränken, während das Anschieben der begehrten Inflation aus einem echten Innovationsboom jenseits ihrer Macht bleibt.

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