Entscheidende Faktoren für die Zukunft der Weltwirtschaft2017-05-15T09:26:23+00:00

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Prof. Dr. Gunnar Heinsohn, 15.05.2017

Kompetenz, Brainpower im modernen Jargon, liefert heute und  noch mehr in der Zukunft den wichtigsten Rohstoff. Obwohl die Weltbevölkerung weiter ansteigt (Übersichtsblatt 4), wird Kompetenz rarer, während die Nachfrage nach ihr wächst und zugleich der Bedarf an Geringqualifizierten regelrecht abstürzt. Schon zwischen 2007 und 2015 fällt die US-Nachfrage nach Un- oder Angelernten um 55 Prozent.[1] Nach einer Studie von 2013 gelten 47% aller US-Arbeitsplätze als relativ leicht automatisierbar.[2] Dafür steigt die Nachfrage etwa nach Daten-Analysten zwischen 2011 und 2016 um 372 %, die nach Daten-Visualisierern sogar um 2574 %.[3]  In Deutschland fehlen im April 2017 knapp 240.000 MINT-Arbeitskräfte (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik). Das sind 38,6 Prozent mehr offene Stellen als 2016. Weil die Bundesrepublik erfolgreich Könner bei Konkurrenznationen abwirbt, steht sie nicht noch schlechter da.[4]
Es gibt keine Nation, in der Unqualifizierte fehlen! Dafür ist – so GOOGLE-Personalchef Laszlo BOCK – „ein Topingenieur dreihundertmal so viel wert wie ein Durchschnittsingenieur“.[5] Beide zusammen tragen die Innovation. Sie kommen aus der Gruppe der Schüler, die bei globalen Mathematik-Vergleichstests wie TIMSS als Beste abschneiden. Wenn Ostasiaten unter 1000 Kindern 320 bis 500 Topleister aufweisen, Deutsche aber nur 50 und Franzosen sogar nur 20 (Übersichtsblatt 3), ist der relative Abstieg letzterer und das weiterhin schnelle Vorankommen ersterer keine Überraschung (Übersichtsblatt 1). [Im Übersichtsblatt 3 zeigt die linke Linie aus dunkelblauen Quadratpunkten den Prozentsatz derjenigen Schüler, die über 625 von 1000 möglichen Punkten in Mathematik erreichen und damit sehr gut abschneiden. In Singapur sind das 50 Prozent, in der untersten Sechsergruppe – Argentinien bis Kuwait – weniger als 1 Prozent.]
Beide Topregionen der Erde, Ostasien und der europäisierte Block, liegen bei den Geburtenraten unter der Nettoreproduktion von 2,1 Kindern pro Frau. In beide Gebiete drängen Menschen, die aus Territorien mit einem hohen Kriegsindex entkommen wollen. In 81 Ländern mit einem Index von 2,5 – 8 konkurrieren 2500 bis 8000 junge Menschen zwischen 15 und 19 Jahren, die den Lebenskampf alsbald aufnehmen, um 1000 Positionen der 55- bis 59Jährigen, die sich dem Ruhestand nähern (Übersichtsblatt 2).
Weil die Länder mit hohem Kriegsindex bei der Kompetenz im unteren Leistungssegment liegen, lässt man sie in Ostasien nicht herein. Gleichwohl akzeptiert man aus diesen Gebieten die Allerbesten schon, weil sie den eigenen Durchschnitt nicht herabdrücken. Bildungsferne Immigranten hingegen können selbst bei Gutwilligkeit die Pensionisten in der neuen Heimat nicht finanzieren, weil sie die dafür erforderlichen Einkommen im globalen Wettbewerb nicht zu verdienen vermögen. Auch sie müssen dann aus den knappen Mitteln für die Alten versorgt werden. Das können die Regierungen zwischen Tokio und Seoul  von Deutschland lernen, wo die Zahl der Ausländer auf Sozialhilfe von 130,000 im Jahre 2010 auf 979,000 im Jahre 2015 hochschnellt.[6] Von den mit viel Hoffnung begrüßten Zuwanderern aus dem Islambogen leben 2016 zwischen 42 und 78 Prozent von Steuergeldern[7]. Von den seit 2015 Hinzugekommenen ist nur jeder Siebente vermittelbar[8].
Den ostasiatischen Vorbildern (Pässe nur an Asse) folgt seit einigen Jahrzehnten auch eine Gruppe westlicher Staaten (Übersichtsblatt 5). Die niemals aufhörende Konkurrenz zwischen diesen Kompetenzfestungen und den weiterhin grenzoffenen Staaten bestimmt die wirtschaftliche Zukunft. Wer bei letzteren keine Zukunft sieht sowie jung und leistungsfähig genug ist, sucht Zuflucht in ersteren. So verliert Deutschland in den Jahren 2015 und 2016 rund 5.000 Millionäre an andere Nationen, während sich aus Frankreich sogar 22.000 davonmachen.[9]
 
Übersichtsblätter: World Situation and Key Factors for the Future, Prof. Heinsohn, 15.05.2017
 
[1] P. Restrepo, Skill Mismatch and Structural Unemployment, Dezember 2015; http://pascual.scripts.mit.edu/; S. 3.
[2] C. B. Frey, M.A. Osborne, The Future of Employment, http://www.oxfordmartin.ox.ac.uk/downloads/academic/The_Future_of_Employment.pdf.
[3] „Learning and Earning“, The Economist, 14.-20. Januar 2017.
[4] http://www.arbeitgeber.de/www/arbeitgeber.nsf/res/PI01817-MINT-Fruehjahrsreport-2017.pdf/%24file/PI01817-MINT-Fruehjahrsreport-2017.pdf.
[5] Work Rules! Insights from Inside Google that will Transform How You Live and Lead, New York & Boston: Twelve, 2015.
[6] https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/Soziales/Sozialleistungen/Asylbewerberleistungen/Asylbewerberleistungen.html
[7] https://www.boeckler.de/wsi_67254.htm
[8] http://www.swr.de/integration-ueber-arbeit-jeder-siebte-fluechtling-hat-nen-job/-/id=116/did=18314052/nid=116/amz9u2/index.html
[9] https://venitism.wordpress.com/2017/02/27/millionaire-exodus/