Zu Issing und Endogenität2011-12-01T12:08:25+00:00

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Antwort auf das Posting von User Stefan B im Malik Blog vom 30.11.2011 zum Thema „Aufkommende Ahnungen…“
„[…] 3. Heinsohn und Steiger arbeiteten nach dem Stand der “Wissenschaft”, wie ihn etwa Issing repräsentierte. Folglich unterstellten sie, dass die Geldschöpfung nach dem Prinzip der multiplen Kreditschöpfung mit Bruchteilsreserve funktioniere. Auch wenn sie die Theorie endogenen Geldes von einigen Mitautoren englischsprachiger Werke kennen, wurde ihre Theorie bislang nicht dahingehend modifiziert und Herr Heinsohn zieht – in den hier verlinkten Artikeln “Zukunft der Finanzkrise” – durchaus nicht nur richtige Schlüsse. Gleichwohl bieten Heinsohn und Steiger, liest man sie etwa zusammen mit dem hier erwähnten Steve Keen, eine weitgehend viable Theorie. […]“
 
Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn, Bremen, 01.12.2011:

Für Otmar ist die Unterscheidung von Eigentum und Besitz ohne Belang, weshalb er sie auch für die Gelderklärung nicht heranzieht. Interessanter sind die Endogenisten, mit denen es teilweise langjährige Freundschaften und Diskussionen gibt, auch in den Fachzeitschriften. Sie machen nämlich zutreffende Beobachtungen zur Geldherkunft, die zu einem als Behörde aufgefassten, äusserlichen Geldversorger namens Zentralbank in der Tat nicht passt. Da aber auch sie die Differenz zwischen Besitz und Eigentum nicht bearbeiten, bleibt ihnen unklar, was das Charakteristikum von Unternehmen ist, das zur Kreditschaffung nicht nur führt, sondern diese erzwingt. Sie können deshalb auch den so genannten „selbst tragenden“ Aufschwung nicht erfassen, der auch und gerade aus der Krise über unvermeidliche Verschuldung erwächst.
Unternehmen sind Vermögen, die permanent ihre nicht-physische Eigentums-Seite gegen Preisverfall und Vollstreckung verteidigen müssen. Das tun sie vorwiegend durch Innovationen auf der physischen Besitzseite, im „Betrieb“ also, wo Bedürfnisse erfunden, Waren modifiziert und Fertigungsprozesse revolutioniert werden. Für die Umsetzung dieser Innovationen müssen sie Geld in Anlagen und Löhne investieren. Für die Erlangung dieses Geldes müssen sie Kreditverträge mit Geschäftsbanken eingehen, in denen sie das zu verteidigende Eigentum erst einmal verpfänden und zusätzlich noch Zins zusagen müssen. Gelingt das, fallen umgehend die Preise branchennaher Unternehmen, die dadurch Haftungsmasse verlieren, was laufende Kredite in Unterbesicherung bringt. Das zwingt sie umgehend in denselben Prozess der Schulden-getriebenen Innovation. Sie müssen also gegen bereits fallende Preise ihres Vermögens Kredit suchen, um die Chance – mehr nicht – zu verteidigen, weiterhin am Markt zu bleiben. In dem Falle erlangen sie über Verkäufe gegen Geld Mittel für ihre Kredittilgung und machen damit ihr Eigentum für neuerliche Verpfändungsfähigkeit frei.

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