Überlegungen zu Argentinien2014-08-05T17:07:23+00:00

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Prof. Dr. Dr. Gunnar Heinsohn, Bremen am 02.08.2014:

Als Argentinien 2001 Jahren seine Zahlungsunfähigkeit erklärt, geht es um 80 Mrd. Dollar, die man unter englischem oder amerikanischem Recht kontrahiert hatte. Zudem war man tatsächlich zahlungsunfähig. 2014 steht man mit rund 24 Milliarden Dollar Schulden unter ausländischer Gerichtsbarkeit, hat aber rund 30 Milliarden Devisenreserven.
Die 80 Milliarden von 2001 waren vom Volumen her die historisch größte Staatspleite (seitdem von Griechenland mit rund 270 Mrd. € souverän übertroffen), haben aber trotz des gleichzeitigen damaligen Dotcom-Crashs kaum etwas nach unten in Bewegung gebracht – auch weil Argentinien für weniger als 1 Prozent der Weltwirtschaft steht.
Nur falls es jetzt zu Urteilen kommen sollte, dass alle 2001er Gläubiger zu 100 Prozent nebst Zinseszins bedient werden müssen (macht jetzt für die 2 New Yorker Fonds gerade mal 1,3 Mrd. $ aus), ginge es um etliche hundert Milliarden und Argentinien wäre fertig.
Weitgehend untergegangen in der Argentiniengeschichte ist die niedrigste Inflation in der Euro-Zone seit einem halben Jahrzehnt. Trotz aller Inflationierungs-Versuche durch die Zentralbanken (Nullzins. Dreijahrestender, Preistreiben durch Ankauf von Schuldtiteln etc.) bekommt man die Deflation nicht in den Griff. In denselben fünf Jahren ist das Ausleihen von Banken an Euro-Unternehmen immer nur zurückgegangen. Die Firmen sind unfähig zu neuen Schulden und/oder wollen sich mit Preissenkungen durchschlagen. Vor allem die Südschiene (Griechenland, Italien, Portugal, Spanien sowie Irland) ist betroffen. Vor fünf Jahren ging sie noch 20 Prozent aller EU-Firmenschulden ein. Heute sind es gerade mal 12 Prozent („Easy credit conditions are benefiting only the few“, FT, July 31, 2014, p. 12). Dabei haben die fünf Länder mit 132 von 333 Millionen knapp 40 Prozent der Eurozonen-Bevölkerung. Im dynamischsten Kernraum der Zone, also in Deutschland, sieht es beim Marsch Richtung Deflation kaum anders aus, wenn man den Fall der Inflationsrate betrachtet: 2,3 % (2011), 2,0 % (2012), 1,5 % (2013), 0,8 % (Juli 2014). Die Unfähigkeit zur Deflationsverhinderung bleibt das Damoklesschwert über dem gesamten Raum.