Perfektes Deflationsbeispiel eines Lesers

//Perfektes Deflationsbeispiel eines Lesers

Am 20. 9. postet ein Leser:
Ein gestriges Telefonat mit einer alten Freundin in Athen brauchte die Griechenlandkrise und die Unmöglichkeit einer Lösung mit jetzigen Mitteln auf den Punkt. 2006 Verdienst 2000 Euro netto, Staatsangestellte. 2008 Kauf einer ETW für 200 t Euro, 40 t EK, Kreditbelastung 600 Euro für 15 Jahre. 2011 Gehaltskürzung auf 1200 Euro, gleiche Kreditbelastung, Wohnung nur für 100 T Euro verkäuflich,Kreditstand 190 T Euro, Immosteuer und weitere Gehaltskürzung in Aussicht. Was soll sie tun fragt sie mich? Ich weiss es nicht, klar geht sie demonstrieren, das ist besser als nichts tun.
Mein heutiger Kommentar:
Danke für das Beispiel, das die Deflation perfekt und präzise darstellt. Wer dieses Beispiel kenn und versteht, versteht auch die Wirtschaft und sie/er versteht, dass und warum die Welt sich grundlegend geändert hat.

By |2011-09-24T12:08:49+00:00September 24th, 2011|Allgemein|48 Comments

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Stefan Ludwig
Gast
Stefan Ludwig

Das Grundprinzip das es sich da um Deflation handelt kann ich nachvollziehen.
Trotzdem habe ich eine Frage: Wenn in 2006 für die Etagenwohnung für 200.000 Euro gekauft wurde und das Eigenkapital 40.000 Euro betrug. Dann beträgt der Kredit 200.000 – 40.00 = 160.000 Euro.
Wie kommt jetzt der Kreditstand von 190.000 Euro zustande? Wurde nach 24 Monaten Tilgungsstundung beantragt?
Wurde ein Kredit über 200.000 Euro aufgenommen und an anderer Stelle die 40.000 Euro Eigenkapital angelegt?

J.L.
Gast
J.L.

„…das Beispiel, das die Deflation perfekt und präzise darstellt. Wer dieses Beispiel kenn und versteht, versteht auch die Wirtschaft….“ ich fürchte, um dieses Beispiel verstehen zu können, darf man keine Ahnung von Wirtschaft haben. Einen Kredit von 160.000 bei konstanten monatlichen Anuitäten von 600 zurückzuzahlen, dauert 22 Jahre. Bei 3% sind es 37 jahre und bei 4% 55 Jahre. Das „perfekte Beispiel“ Ihres Lesers impliziert, dass die Dame aus Athen auf ihren Kredit -5% Zinsen pro Jahr zahlt. Das ist ein Beispiel für Sektordeflation. In den USA ist das schon lang im Gange. Trotzdem ist die Geldmenge während der Immopreiskontraktion… Read more »

Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

Die griechische Lebenswirklichkeit weicht stark von unserer Realität ab. Hierzulande werden die ETW und Häuser in guten Lagen knapp, wenn sie überhaupt zu haben sind und erzielen immer mehr Spitzenpreise. Unterstützt wird dies sicher durch niedrige Zinsen für Hypotheken. Konträrer könnte es sich im Vergelich nicht darstellen. Es erinnert an den seeligen Kostolany, der 2+2 = 5 vorrechnete, um dann süffisant nachzuschieben, minus 1 ! Die Ökonomie hängt an sehr dehnbaren Strapsen. Durchaus möglich, das wir auch in die griechische Lage kommen. Wir befinden uns in einer Höhle und sehen nur die Schatten an uns vorbei huschen. Die gegenwärtige Nomenklatur… Read more »

Jörg Beier
Gast
Jörg Beier

da das Beispiel von mir kommt, habe ich nochmal nachtelefoniert um auch die Fragen der anderen Teilnehmer zu beantworten. Steigt man tiefer ein wird es nur noch schlimmer. @Stefan Ludwig: 5 Jahre eisern sparen plus eine kleine Erbschaft ergeben das EK von 40t Euro. Dann die Wohnung gekauft zur Altersabsicherung, alles ging damals von weiter steigenden Preisen aus, das altbekannte Inflationsgespenst,Kredit mit 160t Euro, Rate ürsprünglich 5% Zins plus 1% Tilgung, damals 800 Euro im Monat, bei 2000 Euro Einkommen und erhoffter Mietfreiheit im Alter akzeptabel. In 2011 Tilgungsaussetzung beantragt, Kredit jetzt 150000t Euro, bei 5% Zins ca. 600 Euro… Read more »

Jörg Beier
Gast
Jörg Beier

@ Jürgen Clasen, und da weiss ich nicht ob die griechische Lebenswirklichkeit so weit weg ist, sie ist nur auf einem anderen Zeitstrahl, wenn jetzt Häuser und ETW,s in besten Lagen zu Spitzenpreisen über den Tisch gehen und der niedrige Zins diese Preise noch hebelt , so gibt sich jeder Käufer in die selbe Gefahr, nur ein paar Jahre später, und es sich herausstellt das diese Preise nur im Infla Modell gerechtfertigt waren. Wehe, es geht andersrum. Meine Frage an Herrn Malik, Kenneth Rogoff erwähnte heute in einem Interview die Möglichkeit, das die Zentralbanken Inflation in Höhe von 6 %… Read more »

Jörg Beier
Gast
Jörg Beier

@J.L.
15 Jahre war nur die Zinsfestschreibung, sie hoffte allein mit der Inflation innerhalb 30 Jahre tilgen zu können, so denken hier ja auch viele

A.I.
Gast
A.I.

Der Dreh- und Angelpunkt des Problems scheinen mir also die gigantischen Schuldenberge zu sein, die im Grunde einfach nicht mehr bedient werden können. Könnte also ein Ansatz erfolgreich sein, indem man über eine Neuordnung der Verbindlichkeiten verhandelt? Auch Deutschland, von dem aus man Griechenland etwas von oben herab kommentiert, wurde 1953 im Londoner Schuldenabkommen teilweise entschuldet und mit niedrigeren Zinssätzen belegt. Wäre der nächste Ansatzpunkt, den Banken in Zukunft das Recht zur Giralgeldschöpfung wegzunehmen? D.h., 100% Eigenkapital? Ich kann mir gut vorstellen, dass man als reine Depositenbank nicht so ohne weiteres feindliche Übernahmen von Unternehmen und die Zerschlagung ihrer Wirtschaftssubstanz… Read more »

Stefan Ludwig
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Stefan Ludwig

Nachdem ich mir jetzt den Film ZEITGEIST MOVING FORWARD auf youtube angeschaut habe stehe ich auf folgendem Standpunkt: Alle Lösungsvorschläge die immer noch kapitalistische Marktwirtschaft als Grundlage haben bedeuten Wiederholung der Geschichte mit einem neuen Kondratieff-Zyklus. D.h. in 55-60 Jahren wieder genau die gleichen Probleme wie heute. Verursacht durch ZinsesZins und man höre und staune Marktwirtschaft. Um zu verstehen warum Marktwirtschaft die größte Schuld an der Erdkrise hat schaue man sich den Film an. Links: http://www.youtube.com/watch?v=XTjledR9PJU http://www.youtube.com/watch?v=tqL5VqEa7Z4 http://www.youtube.com/watch?v=mhPQlOfXuSA Ich bin gespannt welche Argumente man noch FÜR kapitalistische Marktwirtschaft vorbringen kann. This is OUR planet! Ressourcenbasierte Wirtschaft mit einem auf naturwissenschaftlicher… Read more »

MI
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MI

Arbeiten und Sparen lautet die Devise…. wie ich finde ein sehr „realitätsnaher“ Artikel was den (privaten) Umgang mit Geld betrifft . Hätten sich „alle“ das Grundmodell zu Herzen genommen, wäre die Situation jetzt wohl um einiges besser bzw. gar nicht entstanden.
Und bei allen notwendigen Veränderungen die auf uns zukommen, muss insbesondere auch die „Idee“ vom einfachen, schnellen und ohne Mühe erzielbaren „Reichtum“ aus den Köpfen der Leute.
http://www.faz.net/artikel/C31042/die-vermoegensfrage-angst-und-gier-sind-schlechte-begleiter-30722813.html

Jürgen Clasen
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Jürgen Clasen

Neue Art der Krisenbewältigung laut Welt online: „Analyst Torge Middendorf von der WestLBMiddendorf hält einen Hebel von Faktor acht für realistisch. Nach seinen Berechnungen könnte das achtfache Volumen der hinterlegten Sicherheiten – also insgesamt 2,664 Billionen Euro –könnte als Kredit an klamme Euro-Länder vergeben werden. So würde Geld aus Geld geschaffen.“ Man kauft Staatsanleihen, verhöckert sie an die EZB. Kriegt neues Geld… kauft Staatsanleihen usw. Ich mache jede Wette, so ging auch Mister Gono in Simbabwe vor und es bescherte dem Land eine nette Hyperinflation. In Euroland ist das System aber sehr groß und es verträgt vermutlich einiges bis es… Read more »

Horst Klein
Gast
Horst Klein

Sehr geehrter Herr Professor Malik,
obwohl ich schon recht lange hier im Blog Ihre Ansichten und Thesen versuche zu verstehen, will mir bis heute eins einfach nicht in den Kopf ! Ihr Argument für einen steigenden Dollar ist die These, dass Dollarschulden in Dollar beglichen werden müssen. Wieso ?? Ich kann doch Dollarschulden in EUR bezahlen, evtl. sogar mit Rohstoffen wie Öl oder Gold ? Wer würde das ablehnen ?
Zeigt die wirtschaftliche Erholung in Irland und Portugal nicht, dass der Weg über monetäre Rettungsschirme im Prinzip funktioniert, nur aktuell bei Griechenland (noch) nicht ?
Mit freundlichen Grüßen
Horst Klein

Florian Linse
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Florian Linse

In diesem Zusammenhang kann ich dringendst empfehlen, dieses historisch einmalige Dokument zu lesen: http://londonbanker.blogspot.com/2011/09/testimony-of-marriner-eccles-to.html Es handelt sich um Auszüge aus einer Ansprache 1933 von Marriner Eccles – einem Bankier und Unternehmer – vor einem US-Senats-Ausschuss, der die Aufgabe hatte, die wirtschaftlichen und finanziellen Probleme der Great Depression zu untersuchen. Dieser Mann spricht mit bemerkenswerter Gründlichkeit die Ursachen der Krise an und erklärt auch, welche Massnahmen zu ihrer Lösung notwendig sind. Dem Mann wurde offensichtlich Gehör geschenkt. Er wurde Berater bei Roosevelt und war massgeblich an der Erstellung der Massnahmen, die zum New Deal führten, beteiligt. Ich führe das hier an,… Read more »

Christoph Aigner
Gast
Christoph Aigner

Sehr geehrter Prof. Malik, heute ist in der FTD zu lesen, dass Italien sein Staatsvermögen bewertet und Verkäufe, z.B. von Immobilien erwägt. Dadurch stellen sich mir einige Fragen: 1 – Ein solcher Verkauf mindert zwar die Verschuldung, ändert aber am System nichts, sodass man nach einiger Zeit wohl wieder am gleichen Verschuldungspunkt stehen dürfte. 2 – Der Verkauf des Tafelsilbers verringert die laufenden Einkünfte (z.B. Mieteinnahmen des Staates oder Dividenden von früheren Staatsbetrieben), sodass ein Land wie Italien noch schneller als bisher in die Schuldenfalle gezogen wird. 3 – Wer soll bei der aktuellen Unsicherheit Milliardensummen für solche Staatskäufe aufbringen?… Read more »

Florian Linse
Gast
Florian Linse

Darf ich fragen, warum meine beiden Kommentare keine Freischaltung erhalten? Liegt ein Versehen vor, habe ich einen Fehler gemacht, habe ich eine Etikette verletzt….? Oder dauert es bei diesen beiden Kommentaren einfach ein bisschen länger?

Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

Hier schiebe ich noch was nach, seien Sie beruhigt, letztmalig. Die Warenwelt mit der ich konfrontiert bin, sagt anderes, als die theoretischen Ansätze, die ja durchaus fundiert sein mögen und deren Aussagen noch eintreffen können. Wir haben einen populären Maßstab. Das Mass auf der Wiesen. Bekanntlich wird da jährlich kräftig draufgelegt. Ist eine Modererscheingung und die Besucher haben es wahrscheinlich auch nicht besser verdient als abgezockt zu werden. Anders verhält es sich aktuell bei den Weihnachtsgänsen. Eine gute frische münsterländische Gans kostet, wie ich gerade am Wochenmarkt gesehen habe, heuer 1 Euro mehr pro Kilo. Macht nach Adam Riese 9,1%… Read more »

TT
Gast
TT

Hallo Herr Malik,
vielleicht haben Sie die Übersicht selbt schon gesehen: der Economist House Price Index: http://www.economist.com/blogs/dailychart/2011/11/global-house-prices. Hauspreisentwicklung jeweils vom Höhepunkt der Preise gerechnet bis Q1 2012: Irland: – 50%, Spanien -30%, USA -40%, GB -20%, JP seit 1991 -40%. Rückschlüsse aus dieser Grafik zieht der Economist nicht, obwohl selbst erstellt… Wie alle anderen Mainstream Medien sehen Sie die Deflation nicht, obwohl sie offensichtlich voll im Gange ist.