Regierungsbildung: Und wieder Komplexität

//Regierungsbildung: Und wieder Komplexität

In Zusammenhang mit der deutschen Regierungsbildung habe ich bereits zweimal über die Komplexität von Koalitionsverhandlungen und den Umgang mit Komplexität geschrieben.

In den aktuellen, neuen Verhandlungen sind Medienberichten zufolge 39 Personen mit den Sondierungen befasst. Wie hoch ist die Komplexität des gesamten Verhandlungs-Systems?

Zwischen 39 Personen gibt es rund 1500 Beziehungen. Jede dieser Beziehungen kann mindestens 2 Zustände haben: gut oder schlecht. Daher ist das Mass für die Komplexität des Verhandlungs-Setups eine sehr grosse Zahl, nämlich 2 hoch 1500. Im Web finden sich sogenannte „2 to the power generators“, z. B. http://www.hbnweb.de/mathematik/langezahl.html. Man wird staunen ob der Grösse der Zahl – aber man staunt nicht mehr ob der Schwierigkeiten der Regierungsbildung.

By |2018-05-18T08:33:27+00:00Januar 9th, 2018|Allgemein|29 Comments

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Stefan Ludwig
Gast
Stefan Ludwig

Herr Prof. Malik,
was meinen Sie wären die folgenden Aufgaben per Syntegration gut lösbar?
Und wenn ja wann ist die Zeit gekommen anzubieten so eine Aufgabe wie „Eine Regierung bilden“ oder „Ein Regierungsprogramm erstellen“ per Syntegration zu lösen?
mit freundlichen Grüßen
Stefan Ludwig

Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

Herr Prof. Malik, sie denken zu nobel und formulieren den Problemumfang. Der wird nicht bewältigt. Wahrscheinlich
ist er den Herrschaften weder bekannt noch bewußt. Politik ist wechselseitige Erpressung. Somit dreht es sich
ausschließlich um dreckige Deals. Dabei kommt nix Halbes und nicht Ganzes raus. Der Progressionsbuckel bei der
Steuererhebung wird eben nicht in beseitigt und durch einen konkaven Verlauf ersetzt. Der Familiennachzug wird
ein bisschen zugelassen. Die Privatkrankenversicherung wird komplizierter, aber nicht abgeschafft. Es ist besser
nichts zu erwarten, außer mehr Formulare und mehr Gängelung.

Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

Es gibt Dinge die sich nicht gescheit lösen lassen. Etwa 200 000 Asylanten, Flüchtlinge. Was bedeutet das? Das ist soviel wie der Großraum Mainz auf die Waage bringt. Bedeutet, wir müssten, um es glatt laufen zu lassen, allein soviel Wohnraum für diesen Personenkreis pro Jahr bauen. In den folgenden Jahren kommen ja immer wieder 200 000 hinzu. Daneben haben wir ja auch noch Rückstau beim Bedarf für die eigene Bevölkerung und für die schon Eingereisten . So viele Bauexperten, sind gar nicht auf dem Markt, ganz zu schweigen vom Hürdenlauf für Baugenehmigungen. Zeigt, dass auch die CSU sich auf dem… Read more »

A.I.
Gast
A.I.

Sehr geehrter Prof. Malik, es sind aber nicht alle Fragen und alle Beziehungen gleich wichtig. Zweifelsohne sind solche Verhandlungen extrem komplex, aber bei aller Liebe zu den kleinen Details, die mir durch meine wissenschaftliche und technische Ausbildung und Berufstätigkeit zutiefst eingeimpft worden sind, sträubt sich in mir alles dagegen, alle Fragen und Beziehungen als gleich gewichtig anzusehen. Die Schwierigkeit sehe ich vielmehr darin, zu erkennen, welche Fragen und Beziehungen diejenigen sind, die für das Funktionieren unabdingbar sind. Vermeintlich unbedeutende Details haben schon ganze Flugzeuge zum Absturz gebracht. Die Antwort auf die Frage, auf wen und was es letztendlich ankommt, ist… Read more »

Tim Kreisel
Gast
Tim Kreisel

@Fredmund Malik Ihr Artikel hat mir sehr gut gefallen. Nur sehe ich die Syntegration in der Privatwirtschaft zu Hause. In der Poltik glaube ich nur an ein Gelingen, wenn die Menschen kleine Stadt-Staaten akzeptieren. Ein Europa der tausend Lichtensein nach dem Gedankengut von Murray Rothbart, von Mises, etc. In den USA gab es in den 90er Jahren mehrere Konferenzen über die Zukunft Nation und dort ist mir besonders der Beitrag von Michael H. Hart im Gedächtnis geblieben. Dieser meinte (sehr kontrosvers vom Mainstream aufgenommen), die USA sollten sich in drei Staatn aufspalten (Sezession), da sonst unter den multinationalen Anwohnern ein… Read more »

Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

Bei einem Spaziergang am Baldeneysee, sagte ich meinem Freund Rainer, ich versteh das nicht. Wieso setzt man bei den Verhandlungen nicht die besonders strittigen Themen an den Beginn und will erst am Ende damit anfangen? Das ist einfach nicht zu begreifen. Wie kann man sich freiwillig so unter Druck setzen und womöglich eine miese Lösung als Erfolg verkaufen müssen? Will man im Schweinsgalopp in der letzten halben Stunde darüber sprechen? Heute früh lese ich, man sei immer noch nicht zu Potte gekommen. Das läßt auf die Qualität der Verhandlungsführung schließen. Was fällt mir dazu ein? Kann man nur noch als… Read more »

Wolfgang Pfeifenberger
Gast

Ich teile die Diagnose, dass die Politik mit den derzeitigen Mitteln am Ende angelangt ist. Was passiert in dieser Situation speziell in Deutschland? Man schaltet auf den Als-ob-Modus um. Man tut so, als könnte man die Dinge mit dem vorhandenen Instrumentarium schaffen, gerät aber mit jedem Lösungsversuch noch tiefer in den Treibsand ungelöster Probleme hinein. Ich sehe die Schwierigkeiten gar nicht so sehr in der Komplexität, sondern in der zunehmenden Asymmetrie zwischen globalen und lokalen Problemen. Letztere lassen sich vor Ort lösen, erstere befinden sich außerhalb des magischen Zirkels kybernetischer Einflussnahme.

NJPuls
Gast
NJPuls

Lieber Herr Prof. Malik, in mehreren Blogeinträgen haben Sie darauf hingewiesen, dass die politischen Vertreter des Landes, die sich in Jamaika-Sondierungen um den Konsens bemühten, vor einem offensichtlichen Komplexitätsproblem standes, es selbst aber nicht erkannten – weil man in alten Kategorien und Mustern dachte und handelte. Der Grünen-Politiker Robert Habeck schreibt zu diesen Phänomen folgendes: “ (…) Weder die alten Ordnungskategorien noch die Sprache der Politik greifen noch angesichts der Komplexität, Unübersichtlichkeit und Geschwindigkeit des Wandels. Umgekehrt ist es sogar so, dass die vorgegaukelte Sicherheit eines intakten Ordnungssystems erst recht destruktiv wirken kann, wenn sie als Schimäre entlarvt wird. Und… Read more »

Jürgen Eck
Gast
Jürgen Eck

Ich denke, man muss einbeziehen, dass es letztlich um die Verfolgung von Interessen geht. Daher wäre von interessierter Seite eine gewisse Komplexität u.U. sogar erwünscht, um nicht gar zu deutlich zu machen, wessen Interessen man in Wirklichkeit verfolgt.

Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

Ich glaube, wir uns waren einig, Herr Prof.Malik, die Probleme sind gar nicht das Problem… Das möchte ich am Vorabend einer neuen GroKo noch einmal verdeutlichen. Meine Tochter hat für ihren Sohn eine Zusage für die Kita ab 01.09. erhalten. 15 Zusagen stehen 500! Absagen gegenüber…Ähnliche Verhältnisse gibt es inzwischen auch auf dem Wohnungsmarkt. Die GroKo glaubt wohl, das man die Probleme u.A. durch bessere Regulierungen, Verteilungsschlüssel lösen kann. Ich glaube aber, das es nur besser werden kann, mit mehr Hardware! Also mit mehr Kitas und mehr Wohnungsbau! Die Ergebnisse, von denen man hört, sind nicht geeignet den Mangel nachhaltig… Read more »

Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

GroKo: Das Gelbe vom Ei sieht anders aus!

Rainer Ostendorf
Gast

Zur Regierungsbildung fällt mir das folgenden Zitat ein:
„Der Irrsinn ist bei Einzelnen etwas Seltenes – aber bei Gruppen, Parteien, Völkern, Zeiten die Regel.“ Friedrich Nietzsche

Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

Allen Blogteilnehmern wünsche ich entspannte und schöne Ostertage, die bei meiner Familie heute beginnen mit einem
traditionellen Mehlklöße Essen.