Sind Politiker und Manager wirklich inkompetent?

//Sind Politiker und Manager wirklich inkompetent?

Politiker und Politikerinnen werden in Medien gerne und häufig als inkompetent dargestellt. Auch Führungskräften in der Wirtschaft widerfährt das oft. Dementsprechend und folgerichtig wird ihr Handeln dann auch so dargestellt und kritisiert – eben als inkompetent. Aber was können wir daraus lernen? Nun eben, dass inkompetente Leute inkompetent handeln. Das ist aber ziemlich trivial. In Wahrheit haben wir nichts gelernt.

Wir können aber dann etwas lernen, und zwar ziemlich viel, wenn wir die Sache ganz anders betrachten. Und wenn wir eine sehr wirksame Heuristik verwenden – eine Suchregel: Wenn wir nämlich annehmen, dass diese Menschen keineswegs inkompetent sind, sondern wenn sie – im Gegenteil – hochkompetent sind. Denn wie sie wirklich sind, weiss man ja zumeist nicht, weil man sie nicht persönlich kennt.

Dann stellt sich nämlich die zumeist sehr aufschlussreiche Frage: Was geht in dieser Person vor, und wie sieht sie die Welt und ihre Situation, um zu dieser Aussage, Entscheidung oder Handlung zu kommen, die mir selbst so inkompetent erscheint? Hat sie vielleicht mehr Information als ich selbst? Kennt sie die Hintergründe besser als ich? Ist sie näher am Geschehen? Unter welchen Annahmen würde dieses Handeln alles andere als inkompetent sein, sondern im Gegenteil, recht klug?

Mit dieser heuristischen Regel wird man meistens klüger.

By | 2018-06-09T06:57:02+00:00 Mai 19th, 2018|Allgemein|23 Comments

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A.I.
Gast
So ist es. Ein sehr kluger Ratschlag! Ich habe früh festgestellt, dass zwischen Gerede und Handeln meist eine riesige Kluft herrscht. Deswegen ignoriere ich meist das Gerede und beobachte das Handeln von Personen. Das ist sehr viel mühsamer, aber auch sehr viel aufschlussreicher. In der Folge liege ich relativ selten falsch in meiner Beurteilung von Charakteren, aber ich habe auch schon mehr als einmal daneben gehauen. Das ist das, was Sie in „Führen, Leisten, Leben“ mit dem „schwarzen Büchlein“ umschrieben haben, in dem so ganz andere Beurteilungskriterien festgehalten werden als die offizielle Managementlehre vorschreibt. Es geht ein bisschen zurück auf… Read more »
Andreas Schmidt
Gast
Sehr geehrter Herr Prof. Malik, zunächst freue ich mich, Ihren Blog in neuem Gewand, aber mit vertraut gutem Input zu lesen. Zu Ihrem Posting: Ich würde unterscheiden zwischen inhaltlichem Inkompetenzempfinden und Inkompetenzempfinden durch das mangelhafte Ergebnis/Umsetzung einer Handlung. Ersteres ist von entsprechend unterschiedlichen Informationen, Erfahrungen, Wertvorstellungen usw. abhängig, also primär in der subjektiven Wahrnehmung begründet. Dann gibt es aber auch den zweiten Fall. Spannend finde ich hierzu von Prof. Dörner „Die Logik des Misslingens“, wonach selbst mit besten Absichten und hohem Fachwissen immer wieder Problemlösungen von Entscheidern ihre Wirkung verfehlen oder unerwünschte Nebenwirkungen entfalten – was natürlich zu entsprechendem Unverständnis… Read more »
Jürgen
Gast

Die Frage ist, kompetent oder destruktiv. Nehmen wir A.M. Glaubt jemand im Ernst, das sie nicht begriffen hat, das Masseneinwanderung und Sozialstaat, breiter Sozialstaat wie unserer, unvereinbar ist ? Glaubt jemand im Ernst, das
der Pontifex Maximus, nicht erkannt hat, das er, und seine führenden moslemischen Glaubensgenossen, schief gewickelt sind,
wenn sie einer ungehemmten Vermehrung des Menschen das Wort reden? Nein, diese Leute wissen alles, was unsereins
so aufregt. Im besten Fall wollen Sie es nicht wissen. Ich aber nehme an, das sie mit einer selbstgewählten, destruktiven
Agenda unterwegs sind.

Wolfgang F. Mosebach
Gast
Sehr geehrter Herr Prof. Malik und Gäste des Forums „Unter welchen Annahmen würde dieses Handeln alles andere als inkompetent sein, sondern im Gegenteil, recht klug?“ Ich denke man könnte diese Frage auch so beantworten: Gehen wir einmal davon aus, dass angesprochene Politiker und Führungskräfte und deren übergeordnete Entscheider eine idealisierte Zukunft bereits vorformuliert haben, also wie die Menschheit in z.B. 20 Jahren leben wird, wie die komplexen gesellschaftlichen, ökologischen und technologischen Herausforderungen bereits und optimal realisiert sein werden. Dann müssten diese ihre Entscheidungen und Handlungsweisen nicht linear zukunftsweisend treffen, sondern im Gegenteil aus der idealisierten Zukunft in die Vergangenheit, unsere… Read more »