Deflationssignal Zypern – überflutet von Komplexität

/, Deflation, Gläubigerverzicht, Ökonomie, Politik/Deflationssignal Zypern – überflutet von Komplexität

Deflationssignal Zypern – überflutet von Komplexität

Die letzten paar Tage haben am Beispiel des kleinen Zypern wie durch ein Vergrösserungsglas Dimensionen der Gesamtlage zutage gebracht, die bisher vielfach vernachlässigt oder übersehen wurden. Zypern hat wirtschaftlich für Gesamteuropa eher geringe Bedeutung. Auch die involvierten Summen des Rettungspakets sind im Vergleich zu bisher klein.
Aber man konnte deutlich wie selten zuvor sehen was Deflation ist, wie vernetzt und komplex alles ist, wie orientierungslos man in der Politik ist, wie wenig ökonomische Massnahmen allein zu leisten vermögen und wie die sozialen und politischen Problemlösungsmechanismen leer drehen, selbst wenn man doch noch einen überhasteten Kompromiss zustandebringt. Eine wirkliche Lösung wird das kaum sein. Hinten und vorne fehlen die nötigen Tools für das kontrollierte Umgehen mit hochkomplexen Situationen.
Es wird auch drastisch klar, dass letztlich die Gläubiger abschreiben müssen. Das gehört zur Natur der Deflation. Dass es schon in einem doch noch so frühen Stadium auch die Sparguthaben trifft zeigt drastisch, wie prekär die Lage wohl sein muss.

avatar
10 Kommentar Themen
30 Themen Antworten
0 Follower
 
Kommentar, auf das am meisten reagiert wurde
Beliebtestes Kommentar Thema
20 Kommentatoren
Herbert S.A.I.BlumA.KMB Letzte Kommentartoren

Diese Seite verwendet Akismet, um SPAM zu vermeiden. Erfahren Sie hier mehr darüber, wie Ihre Kommentar-Daten verarbeitet werden.

  Abonnieren  
neueste älteste
Benachrichtige mich bei
Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

Wenn man keine einheitliche Regeln für alle Institute mehr formulieren kann, ist man für meine Begriffe am Ende. Eine einseitige Mehrbelastung für Kunden einer Bank, 4 x soviel wie für den Rest, was soll das sein, ausser Willkür? Nach dieser Rosskur wird Zypern noch ein größeres Problem sein als zuvor. Wer noch alle Tassen im Schrank hat, holt dort sein Geld von der Bank. Zu vorderst die Ausländer, die man dort wohl mit einer Sonderrasur beglücken will. Bei Auflösung von Konten, werden Vermögens-werte unter den Hammer kommen und das tut deren Preise garnicht gut. Man wird sehen, ob das weit… Weiterlesen »

Jörg Willmann
Gast
Jörg Willmann

Sehr geehrter Herr Malik,
das es Deflation geben wird, sollte spätestens jetzt niemand mehr bezweifeln. Obwohl die Deflation schon seit Längerem in fast allen südeuropäischen Ländern beobachtet werden kann.
Mir stellt sich allein die Frage nach dem Zeitpunkt, wann es zum Crash kommen wird? Ich hatte den Punkt eigentlich schon zum Ende des letzten Jahres erwartet. Wann wird nach Ihrer Einschätzung dieser Punkt erreicht werden? Und welche Gründe gibt es für für diese „Verzögerung“? Oder ist es aufgrund der Komplexität schier unmöglich?
Vielen Dank nochmals für den sehr aufschlussreichen blog.
Jörg Willmann

MCO
Gast
MCO

Um es mit PCM zu beantworten: Der Crash ist dann da, wenn des Vertrauen der meisten Gläubiger schwindet, dass Forderungen noch bedient werden können.
und
If you panic, please panic first.

NJPuls
Gast
NJPuls

Lieber Herr Prof. Malik, die deflationäre Entwicklung ist auch in einer der letzen verbliebenen Bastionen spürbar: es mehren sich die Zeichen für das Ende des Baubooms und das Sinken von Immobilien- bzw. Baupreisen in Deutschland. Bloomberg meldet >> Private-Equity-Investoren wie Blackstone Group LP und Goldman Sachs haben in Deutschland derzeit den größten Wohnimmobilienbestand seit ihrem Markteintritt 2005 zum Verkauf stehen – ein Anzeichen, dass die Preissteigerungen ihren Höhepunkt erreicht haben. Insgesamt wollen Investoren sich von Wohnungen und Beteiligungen an Immobiliengesellschaften im Wert von mindestens 5 Mrd. Euro trennen. << Interessanterweise trennen sich die Investoren genau von dem Sektor, dem zurzeit… Weiterlesen »

Matthias Röderstein
Gast
Matthias Röderstein

Auch in folgendem Fall sind viele Merkmale erkennbar. Allerdings sind die ohne die theoretischen Grundlagen, die hier im Blog vermittelt werden, nicht verstehbar. Deswegen werden die Wirtschaftspresse ebenso wie die Politiker und Wissenschaftler leider weiter im Nebel stochern. Wölbern Invest will Dutzende Fonds auflösen und Immobilien im Gesamtwert von 1,4 Milliarden Euro verkaufen. Argumentation: angesichts wachsender Marktrisiken insbesondere in den Niederlanden drohenden Schaden von den Anlegern abwenden zu wollen. Aber: Wesentlicher Grund für die aktuellen Verkaufsvorbereitungen ist offenbar vor allem auch der wachsende Druck der Gläubigerbanken. Bei 80% der das Paket speisenden Fonds liegen den Hamburgern nach eigenen Angaben Schreiben… Weiterlesen »

Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

Hoho… die Zwangsabgabe beträgt 30% oder besser gesagt bis zu 30%. Da ist es vielleicht besser 99999 Euro zu besitzen als 100000…Sehe hier nirgens ein geordnetes Verfahren, quasi Lastenausgleich über alle Vermögenswerte . Weiss der Geier, wie es dort den Unternehmen ergeht, wenn denen plötzlich solche Differenzen in das Cashmanagement reinregnen. Was werden diese Leute jetzt lernen ? Kasse täglich aus den PIIGS abziehen. Nur noch unvermeidliche Mittel vor Ort halten. Vermögensanlagen haben dort garnichts zu suchen. Da möchte man sich lieber von Dr. Eisenbart behandeln lassen, als dort zu investieren. Kein S und kein I. In D und anderen… Weiterlesen »

Thomas Moroder
Gast

Es werden wohl eher 40-50+% Haircut werden, v.a. wenn man berücksichtigt, dass dieses Kapital ja in Zypern als Eigenkapital der Bank gebunden bleiben soll. D.h. jeder der kann, wird Geld abziehen, die Bank of Cyprus hatte Ende 2012 schon ca. 22% notleidende Kredite, die in der Zwischenzeit sicher nicht geschrumpft sind. Der anstehende Bank-Run, evt. weitere schlecht durchdachte Massnahmen und der Schaden für die Wirtschaft Zyperns wird die Verluste noch erhöhen.
So wie es aussieht werden wir noch einige Bank-Runs im neuen Jahrtausend sehen, wer hätte das gedacht.. und das soll ja jetzt die Standard-Prozedur in der EU sein (Dijsselbloem).

Christian Zachmann
Gast
Christian Zachmann

Sehr geehrte Damen und Herren, Interessant fand ich folgenden Artikel: http://www.zerohedge.com/news/2013-03-25/have-russians-already-quietly-withdrawn-all-their-cash-cyprus Evtl. wurde also wirklich vorrangig intendiert, lokale Mittelschichtsersparnisse verfügbar zu machen. – Dies erscheint schon ziemlich verzweifelt. Das Dijsselblom-Interview ist auch geeignet, eine zu optimistische allgemeine Erwartungshaltung „herunterzuregeln“. Vielleicht ist nun ein Punkt erreicht, an dem die Hoffnung einer Krisenlösung durch Reinflationierungsversuche tatsächlich begraben worden ist – und man sogar allmählich damit beginnt, dies vorsichtig zu kommunizieren. Abseits davon deute ich persönlich die leitenden US-Indizes so, dass anscheinend die gewohnten Wege der Distribution an Tops diesmal irgendwie nicht recht zu funktionieren scheinen… Verbissen unterbindet man also bis auf weiteres… Weiterlesen »

Friedrich Ostermann
Gast

Ihrem ersten Satz stimme ich vollumfänglich zu. Bei der Frage, ob bei zu beobachtenden Rettungssituationen das Fehlen von geeigneten Tools die entscheidende Rolle spielt, sind wir auseinander. Was fehlt, sind Politiker, die ein gemeinsames europaisches Zielbild über nationale Interessen stellen und als Führungsfiguren in der Lage sind, andere auf dem Weg dorthn mitzunehmen. Zypern ist erst 2004 Mitglied der EU geworden- die Vorwürfe in Bezug auf das fragwürdige geschäftsmodell des Landes waren da bereits bekannt ….. und wurden geduldet. Ebenso wie die Verfehlungen aller anderen EU Partner in Bezug auf die selbstgesteckten Ziele und Regeln. Was wir gerade beobachten können,… Weiterlesen »

Werner O.
Gast
Werner O.

Zypern zeigt doch auch etwas sehr positives. Endlich geht es den reichen Pfeffersäcken auch mal an den Kragen. Finde ich sehr gut, dass endlich Gläubiger und Aktionäre von Banken für den Mist den sie verzapft haben aufkommen müssen. Das sollte Schule machen.Man sollte sich halt vorher überlegen wem man Geld leiht oder an welchen Unternehmen man sich beteiligt.
Kann ja wohl nicht sein, dass mit immer neuen Rettungsaktionen lediglich den Reichen .. das Vermögen …gerettet wird. Ich wäre auch für eine Zwangsabgabe für Reiche (Geldvermögen > 5000.000,– Euro) von mindestens 60%. Dann wäre dieses ganze Krisengelaber endlich vorbei.

Ludwig
Gast
Ludwig

Pardon – aber zu meinem Verständnis: Jemand, der sich EUR 150.000 erspart hat, aber in einer Mietwohnung lebt, ist ein „reicher Pfeffersack“, dem es „an den Kragen“ gehen soll? Ein anderer, der zwar wenig Erspartes, jedoch ein Haus im Wert von EUR 400.000 besitzt, ist kein Reicher, und muss sich daher an der Sanierung des Staates nicht beteiligen? Da fehlt mir die Logik.

Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

Der eigene Stamm sollte für die Fehler einstehen müssen. Investoren sollten für ihre Fehler gerade stehen. Das erzieht ungemein. Wir leben aber in einer total bescheuerten Welt. Der Papst ist so frei, jungen Strafgefangenen die Füße zu waschen. Was denkt sich der junge Strafgefange dabei? Habe alles richtig gemacht. Selbst der Papst wäscht mir die Füße. Oder ? Wenn sich die fehlgeleiteten Investoren, Banken, Versicherungen immerfort mit dem Geld anderer Leute die Füße waschen lassen, was denken sie darüber? Wir können alles machen, die Medien und Regierungen kaufen, und uns von unseren Sünden reinwaschen lassen. Wenns nicht so richtig klappt,… Weiterlesen »

Ludwig
Gast
Ludwig

Sehr geehrter Herr Clasen, ich habe ein gewaltiges Problem damit, wenn die Banken und Versicherungen als Alleinschuldige dargestellt werden. Die Regierungen sind für die Rahmenbedingungen der Banken, Versicherungen aber auch der Wirtschaft verantwortlich. Die Unternehmen, welche das Schaufeln des Mammon als Alleinseligmachend betrieben haben, koste es, was es wolle, haben sich massiv an der Schaffung der aktuellen Umstände beteiligt. Und nicht zuletzt haben sich große Teile der Bevölkerungen aller Länder bis zum letzten Knopf und darüber hinaus verschuldet und gelebt, als ob es kein Morgen gebe.

KMB
Gast

Lieber Herr Clasen,
der Pabst hat die Gefangenen nicht freigelassen ! Er hat ihnen NUR vergeben . Die Konsequenzen des Tuns auf der “realen EBENE“ bleiben aber die Seele des Menschen kann aufatmen und muss nicht gleich in die Hölle. 🙂 Küng ordnet das ganz gut und universell in “seinem Weltethos“ : http://www.cicero.de/salon/hans-k%C3%BCng-wir-brauchen-ein-universales-ethos/54017. Hoffen wir, daß ein besseres Verständnis des momentan komplexen globalen Misswirtschaftssystems etc. uns alle vor der Hölle bewahrt. beste Grüße KMB

KMB
Gast

sorry : natürlich der Papst im Vatican…..

A.I.
Gast
A.I.

Nun, es ist ein Fall bekannt geworden, wo zwei Jungunternehmer in Nikosia einen Kredit über 4 Millionen Euro aufgenommen hatten, um ein Bauvorhaben zu finanzieren.
Zum Zeitpunkt des Beschlusses befand sich das Geld auf deren Konto. Davon soll nun ein erklecklicher Anteil eingezogen und ein anderer eingefroren werden.
Gleichzeitig standen sie bei der Bank mit 4 Millionen in der Kreide, wogegen sie Klage einlegten.
Es schadet zuweilen nicht, etwas differenziertere Sichtweisen anzunehmen.

Robert S.
Gast
Robert S.

Sehr geehrter Herr Werner O.,
würden Sie auch so dumm daherreden wenn sie selber reich wären?
Paul. C. Martin schrieb ja schon damals in weiser Voraussicht, dass am Ende ,,Schuldige“ präsentiert werden müssen, nämlich die Reichen und die Unternehmer.

NJPuls
Gast
NJPuls

Es wäre m.E. zielführend, wenn alle gleichermaßen verstehen würden, dass es unter Komplexitätsbedingungen keine „Schuldigen“ und „Nichtschuldigen“ für irgendetwas geben kann. Mit Diskussion dieser Art wird nur Zeit vertan und sie kann sogar sehr gefährlich werden, dann nämlich, wenn sich bestimmte Gestalten das zunutze machen. Hatten wir schon anno 1789 und nicht zuletzt 1933. Wenn überhaupt, gibt es soetwas wie „Komplexitätskompetenz“ bzw. „systemisches Verständnis“ von Entscheidern. Angesichts diverser Desaster (Ernährung / Finanzen / Umwelt- / Klima, Bildung dgl.) fehlte es offenbar auf höchster Ebene, aber auch Normalbürger verfügten bisher nicht über das notwendige Wissen, um dem Treiben durch Abwahl oder… Weiterlesen »

A.
Gast
A.

Wir sollten uns wieder mit den Ursachen der Finanzkrise beschäftigt: dem Verleihen von Geld. Das tun hauptsächlich (nicht ausschließlich) Institutionelle. Diese Institutionellen haben dem Häuslebauer in USA und den Regierungen der PIIGS viel Geld geliehen. Dadurch haben sie Chancen und Risiken generiert. Solange sich die Chancen realisiert haben, verblieben die Gewinne bei den Institutionellen bzw. deren Aktionären/Anleihengläubigern. Als sich Risiken realisierten, wurden die Verluste sozialisiert, der Steuerzahler musste einspringen. Dies, weil die betroffenen Institutionellen vermeintlich systemrelevant, too big to fail, sind. Ein Unternehmen, das die eingegangenen Risiken nicht zu tragen vermag, hat aber am Markt nichts verloren. Ein funktionierendes Insolvenzrecht… Weiterlesen »

Blum
Gast
Blum

Selbstregulationsidee: jedes Geschäft von jeder Institution darf getätigt werden, wenn sie bestätigt, dass sie nicht systemrelevant wäre, wenn sie pleite ginge. Dass sie also dieses Risiko vollumfänglich trägt. Was nicht mehr gelten darf, ist natürlich so eine Bewertungsschummelei wie aktuell bei Staatspapieren und allerart geheimnisvolles Gewichten von ominösen „sicheren“ Risiken. Einfach hopp oder topp. Das würde die Geschäfte selbst regulieren. Einlagensicherung für Großanleger – hopp. Wie im Casino. Wer verliert, hat verloren, eingesetzt wird Eigenes. Keine Diskussion. Erwachsene bringen das doch Kindern bei: kümmere Dich um Deinen Kram, nicht frech sein und dann hinter Mamas Rockzipfel verstecken wollen. Wann werden… Weiterlesen »

Herbert S.
Gast
Herbert S.

Komplexitätslücken – ein sehr gutes Stichwort … John Casti hat das in seinem Buch X-Events sehr gut beschrieben. Leider haben wir diese derzeit in sehr vielen Bereichen und das fatale daran ist, dass wir noch dazu alles miteinander vernetzt haben, so dass sich ein Fehler im System auf viele Systeme ausbreiten kann. Es ist nun die Frage, was zuerst den Dominostein zum Umfallen bringen wird. Eine Hauptursache für diese Entwicklung sehe ich in der nicht reichweitenbegrenzten Vernetzung – in all unseren Lebensbereichen. Ich fürchte, eine der größten Bedrohungen für Europa ist derzeit – neben dem Finanzkollaps – der Kollaps des… Weiterlesen »

This website uses cookies and third party services. Please read our disclaimer and privacy policy. Ok