Geschichte und Gesellschaft verstehen: Schulden und Forderungen

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Geschichte und Gesellschaft verstehen: Schulden und Forderungen

Stefan Leitner habe ich die folgende Antwort auf sein gestriges Posting gegeben, die ich den LeserInnen nicht vorenthalten will.
Das Beste, was über Schulden und über ihre Geschichte bisher geschrieben wurde, sind die Bücher von Paul C. Martin in den 1970er und 1980er Jahren. Sodann die Schriften von Gunnar Heinsohn und Otto Steiger. Unter anderem empfehle ich Gunnar Heinsohns Schrift „Privateigentum, Patriarchat, Geldwirtschaft“. Heinsohn und Martin gehen zurück bis zu den Sumerern (die eigentlich die Chaldäer waren) und zeigen auf, wie sich Auf- und Entschuldung als roter Faden durch die Geschichte ziehen.
Die Keilschrifttafeln der Sumerer waren grossteils Schuldverschreibungen, und die Entstehung der Schrift hängt massgeblich zusammen mit der Notwendigkeit, Schulden und Forderungen festzuhalten, um diese zu bezeugen und vollstrecken zu können.
Nur ganz wenige Historiker haben sich mit dem Schuldenphänomen befasst, vor allem Guglielmo Ferrero und Reinhard Niebuhr. Zwischen den Menschen ist ein unsichtbares Geflecht von vertraglichen Schuld- und Gläubigerbeziehungen. Wer dieses versteht, hat eine gänzlich neue Sicht der Gesellschaft und der Geschichte – und wird die meisten bisher schlecht verstandenen geschichtlichen Ereignisse ganz neu und oft erstmals verstehen – bis hin zu den eigentlichen Ursachen von Kriegen, Völkermorden und bestimmten religiösen Ritualen. Er wird sogar einige Stellen im „Vaterunser“ ganz neu verstehen, und wird darin auch einen neuen, sehr lebensnahen Sinn erkennen.

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Jürgen Kusche
Gast
Jürgen Kusche

Und was sagen Sie zu Silvio Gesell und seinen modernen Anhängern?

NJP
Gast
NJP

Sehr geehrter Herr Prof. Malik, sehe ich es richtig, dass die Wirkung von Tools, Methoden und Methoden gleich welcher Art letztlich abhängig ist vom richtigen Verständnis von „Schulden & Forderungen“? Könnte das richtige Verständnis (im Sinne von Heinsohn) deren Wirkung sogar noch vervielfachen? Wenn dem so wäre, dürfte überhaupt keine Zeit vertan werden, dies aufzuklären. Denn, eines setzen Schulden und gleichlautend Forderungen voraus: es muss Menschen geben, die bereit sind sich über das unvermeidliche Maß hinaus in Schuldverhältnisse zu begeben, Forderungen damit überhaupt auszulösen und somit wirtschaftliche Entwicklung zu ermöglichen. (Viele) Menschen werden nur dann ins Risiko gehen, wenn die… Weiterlesen »

A.I.
Gast
A.I.

Ich lese gerade „Debt“ von David Graeber. Sehr aufschlussreich.

kohlmann
Gast
kohlmann

die bücher sind gut, gehen aber in ihrer abstaktionsebene nicht tief genug. sie setzen bspw. unhinterfragt ein handelndes subjekt bzw. indviduum voraus und gehen nicht – wie die moderne soziologie – rein von handlungen oder kommunikationen aus. dann würde auch klarer werden, dass wirtschaftliche handlungen bzw. wirtschaftliche kommunikation nichts anderes sind bzw. ist als religiöse, rechtliche, politische, wissenschaftliche oder andere handlungen bzw. kommunikationsformen. kommt es historisch zu fukationspunkten, ändert sich das netzwerk der erwartungensstrukturen schnell und stark und es kommt zu veränderungen. was sicherlich richtig ist, dass wirtschafliche kommunikation an gesellschaftlichen veränderungen stark beteiligt war, niemals jedoch stärker als religiöse.… Weiterlesen »

D.B.
Gast
D.B.

Da Sie immer wieder Lösungen anmahnen, wundern mich Ihre Hinweise auf HS und PCM. Sowohl HS als auch PCM können keine schlüssige Begründung für den Zins liefern.Der Zins als ständiger Wachstumszwangsbeschleuniger ist aber das Hauptproblem! Die Eigentumsprämie von HS wird einfach ohne Begründung ins Leben gerufen. Kreditkontrakte mit Gläubigerpfand wird man in der realen Welt nicht finden. Dass Geld in der Realität ständig ohne Eigentumsdeckung emittiert wird, scheint Heinsohn nicht aufzufallen. PCM erkennt in „Der Kapitalismus“ zwar die Exponentialfunktion des Zinseszins-Mechanismus als Brandbeschleuniger, versucht den Zins jedoch trotzdem vehement zu verteidigen. Eine nachvollziehbare Erklärung kann er jedoch auch nicht finden.… Weiterlesen »

B.S.
Gast
B.S.

PCM 2003 (bzw. heute) ist nicht gleich PCM 1986. 2007 hatte er im Gelben Forum seine Sicht noch verfeinert:
http://www.dasgelbeforum.de.org/ewf2000/forum_entry.php?id=138878

kohlmann
Gast
kohlmann

die bücher sind gut, gehen aber in ihrer abstaktionsebene nicht tief genug und sind deshalb unterkomplex. sie setzen bspw. unhinterfragt ein handelndes subjekt bzw. indviduum voraus und gehen nicht – wie die moderne soziologie – rein von handlungen oder kommunikationen aus (das ist alte welt!), die dann meinetwegen bottom-up oder top-down vernetzt sind. zudem müsste klarer werden, dass wirtschaftliche handlungen bzw. wirtschaftliche kommunikation etwas anderes ist als religiöse, rechtliche, politische, wissenschaftliche oder andere handlungen bzw. kommunikationsformen (das ist alte welt!). das hyperzyklische gesamtgefüge – namens soziokulturelle Evolution – des netzwerks aus kommunikationen bzw. handlungen durchlief in der geschichte verschiedene phasen… Weiterlesen »

Frank D.
Gast
Frank D.

Es ist das Buch „Eigentum, Zins und Geld“. Ich habe inzwischen auch „Staatsbankrott“ und „Pleite“ von PCM gelesen. Seine Zinstheorie teile ich zwar nicht, aber die Analysen von PCM halte ich wirklich für großartig. Inbesondere das Buch „Kapitalismus“ ist zudem auch noch äusserst humorvoll geschrieben. Ich habe wirklich zum Teil Tränen gelacht. Beim Studium der Schriften von PCM hat man das Gefühl, das Drehbuch der heutigen Krise wurde vor ca. 30 Jahren bereits geschrieben. Allerdings hat PCM den totalen Systemkollaps ja schon viel früher erwartet. Wie konnte der jetzt offen sich ankündigende Kollaps die letzten 30 Jahre denn hinausgezögert werden… Weiterlesen »

kohlmann
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kohlmann

wissen sie, die ganze geschichte der philosophie und geistes- und sozialwissenschaften ist davon geprägt zu verstehen was der mensch ist und wieso er so oder so handelt bzw. sich verhält und wie man das steuern bzw. verstehen bzw. erklären bzw. prognostizieren kann. es gibt einen haufen theorien darüber, aber wir kommen einfach nicht weiter (kucken sie sich doch die extrem unterkomplexe hirnforschung an, die mit bildchen arbeitet oder die psychologie, die als korrelat für gedanken nur verhalten beobachten kann). ich plädiere dafür, den mensch zu dekonstruieren und als verdichtete Kopplung physischer, biologischer, psychischer und sozialer Komplexionen zu sehen, die für… Weiterlesen »

A.I.
Gast
A.I.

Mit kreationistischen Ansätzen zur Wissensfindung kommt man nicht weit. Ich empfehle Ihnen die Lektüre von Karl Popper. Die Bilder aus der Hirnforschung mögen ja unterkomplex sein, aber gute, richtige, belastbare Daten und daraus abgeleitete Modelle sind immer besser als komplexe, auf reiner Spekulation basierende Theorien, die zudem falsch sind. Der nächste Punkt ist: Wenn Sie in annehmbarer Zeit, z.B. kürzer als die Lebensdauer des Sonnensystems – und solche Rechenzeiten ergeben sich bei genügender Komplexität – brauchbare Lösungen erhalten wollen, dann brauchen Sie „unterkomplexe“ Modelle, auch Heuristiken, die vielleicht nur eine Annäherung an das Systemverhalten darstellen, aber trotzdem gut genug sind,… Weiterlesen »

A.I.
Gast
A.I.

Vielleicht sollte ich mit einem Beispiel erhellen, was ich meine. Einen Stahlträger kann man beschreiben durch makroskopische Größen wie seine Biegesteifigkeit, Zugfestigkeit und Deformierbarkeit. Aber so ein Stahlträger ist natürlich aufgebaut aus Atomen, vornehmlich Eisen. Wollte man ein einziges Eisenatom quantenmechanisch korrekt beschreiben, so bräuchte man zur Speicherung der Information über den Zustand EINES EINZIGEN Atoms mehr Materie, als im sichtbaren Universum vorhanden ist. Es ist also kein praktikabler Weg. Also bedient man sich „unterkomplexer“ Modelle, die die Tatsache ignorieren, dass der Stahlträger aus Billionen und Aberbillionen (und noch viel mehr) Atomen aufgebaut sind. Man nimmt die Methoden der Festigkeitslehre… Weiterlesen »

kohlmann
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kohlmann

Herr A.I, ich finde ihr Zeilen begrifflich völlig chaotisch. Freilich kennt jeder Popper, Stegmüller und die ganzen wissenschaftsphilosophen. sie sollten philosophie und wissenschaft aber nicht überschätzen, sie haben wie alles nur den sinn der reproduktion gesellschaftlicher kommunikation. das wußten schon adorno und habermas, die popper noch unterlagen, heute sind wir aber schon viel weiter, ich erinnere sie an die soziologische systemtheorie. Wichtig war die Frage von constantin: ein austritt ist noch sehr sehr unwahrscheinlich, erstens aus historischen gründen, zweitens aus technischen gründen. aber nehmen wir ihn mal an, wasist dann mit dem eurobargeldumtausch?? ich nehme an, dass das bargeld innerhalb… Weiterlesen »

A.I.
Gast
A.I.

Lieber Herr Kohlmann, vermutlich sprechen wir nicht die gleiche Sprache, da es mir mit Ihren Begriffen ähnlich geht wie Ihnen mit meinen. Hinzu kommt wohl, dass ich vermutlich eine andere Ausbildung durchlaufen habe als Sie. So kommt es also, dass ich die Aussage, der Sinn der Wissenschaft und Philosophie sei es allein, gesellschaftliche Kommunikation zu reproduzieren, ziemlich fragwürdig finde. Natürlich ist innerhalb einer wissenschaftlichen Community die Kommunikation durch Journal-Paper und Vorträgen gang und gäbe, aber dass es der einzige Sinn sei, Tagungen abzuhalten und Paper zu schreiben, finde ich, gelinde gesagt, etwas kurz gegriffen und stellt auch eine massive Abwertung… Weiterlesen »

AM-DM
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AM-DM

„Anders wird es nicht gehen, als die Schulden zu erlassen.“ Auch hierin stimme ich Ihnen, aus medizinischer Sicht, voll und ganz zu. „Vorlast senken“ (sprich Schuldenschnitt) ist ein elementarer Schritt zur Therapie der Herzinsuffizienz. Um es klar zu benennen: Sparen auf Kosten der Bevölkerung und Risiken hoher Jugendarbeitslosigkeit war und ist niemals eine adäquate Politik, sondern entspricht fortgesetzten gravierenden Kunstfehlern! So ruiniert man Staaten und ihre Bevölkerung und bereitet auch den Boden für gewaltsame Aufstände. Der „homo oeconomicus“ mit menschenverachtendem Gedankengut und parasitären Wachstumsideologien gehört zur aussterbenden Spezies. Es ist an der Zeit, dass nun anthropozentrische Maßstäbe und Proportionen einkehren.… Weiterlesen »

kohlmann
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kohlmann

vergessen: freilich werden auch die seriennummern der euronoten eine rolle spielen, also lieber nur noten mit der nummer x halten!

kohlmann
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kohlmann

nachtrag: ich beobachte seit einem jahr, wieviel euronoten mit einer anderen seriennummer als x in deutschland im umlauf sind. lag die quote im nov. noch bei 30%, sind es jetzt schon etwa 70%!!!!!!!!! (bei 500ern und 200ern noch bissl weniger). das ist sich großteilsauch target2-geld, unten in südeuropa frisch gedruckt. Viele nicht-x scheine sind auch in einem auffälllig besseren zustand als die x-noten. der pure wahnsinn was hier für verzerrungen ablaufen, das kann nur in den untergang des abendlandes führen. spenglers buch hat wieder rekordauflage, genauso wie marxs kapital vor drei jahren.

Constantin
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Constantin

Ähnliche Beobachten habe ich (leider) auch gemacht. An der Entwicklung der Geldmenge M1 Bbargeldmenge?) müsste man dies eigentlich sehen, denn über Target2 / ELA müsste durch die Druckerei diese Menge massiv angestiegen sein.
Wird die Zahl von der EZB zeitnah disclosed?
Was gedenken Sie zur Vermögensabsicherung zu tun? Ich habe niedrig siebenstellig zu sichern und keine Ahnung, wie man dieser Katastrophe entkommen soll.
Den CHF wird es genau so zerreißen wenn der Euro untergeht, und den Dollar mag sich wohl auch niemand unter die Matratze legen…

Constantin
Gast
Constantin

Muss mich korrigieren, ich meinte natürlich M0, welche definiert ist als:
M0/Geldbasis: Banknoten und Münzen, die sich im Umlauf außerhalb des Bankensystems (bei Nicht-Banken) befinden (also ohne Kassenbestände der Geschäftsbanken, aber mit Banknotenumlauf im Ausland) plus dem Zentralbankgeldbestand der Kreditinstitute;
(Quelle: Wikipedia)
Auf der Seite der EZB heißt es nur zu M1:
„Narrow money (M1) includes currency, i.e. banknotes and coins, as well as balances which can immediately be converted into currency or used for cashless payments, i.e. overnight deposits. “
Wieso wird M0 nicht getrennt aufgeführt? Kann hier ein Experte weiterhelfen?

Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

Im Zusammenhang mit der Krise wird oftmals etwas über Transparenz „genudelt“. Jandya: „Der Hilfskredit für die spanischen Banken könnte mit 3% verzinst werden, bei einer Laufzeit von 10-15 Jahren.“ Oh, sehr transparent. Neben einer Zinszahlung gibt es lästigerweise auch noch die Tilgung eines Kredites. Wie bitteschön, wird ES zurückzahlen? Bei solchen Summen dürfte das erheblich sein zur Bewertung der ganzen Sache. Natürlich gilt das auch für die hunderte Milliarden die an GR, PT, IRE gegangen sind. Warum um drei Teufelsnamen nimmt man Kredite auf zu 3 %, wenn die EZB von Fall zu Fall, unbeschränkten Zugang zu Marios Geldspeicher bietet… Weiterlesen »

kohlmann
Gast
kohlmann

Lieber Herr A.I., man muss kürzer greifen, wenn man ganzheitlich denkt und dinge vergleichbar macht,die sonstnicht vergleichbar sind. dasentspricht der komplexitätsreduktion,von der sie sprachen. ich bin auch in der wissenschaft sozialisiert, habe aber schnell verstanden, dass unser gut, die wahrheit, in der politik oder wirtschaft nicht interessiert. diese systeme operieren mit anderen codes (macht, zahlungen). was dortvorsich geht, also gesellschaftliche kommunikation, ist genauso sinnlos bzw. sinnvoll wiein der wissenschaft. gesellschaft insgesamtbesteht für mich nur aus kommunikation! in gutes beispiel: es sitzen ein wisenschaftlicer, ein wirtschaftsvertreter, ein politiker, ein verfassungsrechtlerund ein kardinal amtisch undwollen die krise lösen.. siereden alle aneinandr vorbei,… Weiterlesen »

kohlmann
Gast
kohlmann

Lieber Herr Malik, wie sie vielleicht schon befürchten, würde ich hier gern widersprechen. die bereiche von denen ich sprach, sind nicht syntegrierbar. das waren sie (weil es sie noch nicht in dem sinne eigenständig gab)bis zum beginn der neuzeit im westen, heute ist das vielleicht noch in china möglich aber hier nicht. wenn sie wirtschaft und politik bspw. syntegrieren wollen, und das gänge, zerstören sie die soziokulturelle evolution und wir fallen zurück vor die neuzeit. eigentlich führen die syntegrationsversuche aber genau zum gegenteil (nehme ich an), nämlich zu einen vertiefung der abgrenzungen zwischen den bereichen. denn ich könnte wetten, dass… Weiterlesen »