Ökonomische Krise versus Systemische Krise

Schön und interessant, wie die Diskussion um die Ökonomie in den letzten Tagen Schwung erfahren hat. Zu retten ist die bisherige Ökonomie nicht, man kann diese auch nicht reformieren. Man braucht einen Neustart mit einem neuen Paradigma. Heinsohn, Steiger und Martin,haben diesen vor 20 Jahren gemacht.
Die Wahrscheinlichkeit ist gross, dass ihre debitistische Theorie mit ihrem Lösungsanteil nun vor dem Take off steht. Jede grosse Innovation – z. B. das Auto, der Computer, das heliozentrische Weltbild und die Relativitätstheorie – brauchte bisher mindestens 20 Jahre, bis sie sich durchzusetzen begann. Nur Keynes hat man sofort zugehört. Warum? Weil die Lage so aussichtslos geworden war, dass man ihm glaubte – leider mit grossem Folgeschaden.
 
Aber zum wiederholten Male: Die Krise ist keine ökonomische; so sieht sie nur für jene aus, die anscheinend die Alternativen nicht zu sehen vermögen. Sie ist vielmehr eine System-Krise, eine Management-Krise, eine Organisations-Krise, eine Gesellschafts-Krise, eine Demokratie-Krise, eine Krise des Funktionierens. Daher sehen die Lösungen, die Wege dorthin und die Hebelwerkzeuge dafür völlig anders aus.
Und, ja, ich kenne die Standardantwort: Es geht nicht… Klar geht es nicht, im alten Paradigma. Zum Glück fragen aber hier viele Blogger: Was ist zu tun, damit es geht… Die Tools dafür sind da.

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Hans-Jürgen Sopper
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Sehr geehrter herr prof. malik,
das pradagima, dass die meinen, startet nicht, es existiert bereist. das problem ist, dass es nicht verstanden wird. weder von politikern- die die mehrzahl der menschen wählen, noch von top-manager, banker und was ganz besonders tragisch ist, von Zentralbankern. Zudem wird das falsche paradigma munter weiter gelehrt…! Die das system verstehen nutzen es schamlos aus und machen unglaubliche profite…
Herzliche Grüße
Hans-Jürgen Sopper

AM-DM
Gast
AM-DM

Exakt! Die Pathophysiologie dieser Krise ist längst eindeutig und klar. Ein ökonomisches System, das ein derart entdifferenziertes, parasitäres Wachstum aufweist, kann nicht überleben. Es ruiniert sich selbst samt seinem Wirt. Andererseits, aus physiologischen Grundlagen ist ableitbar und -wäre insofern auch für ökonomische Theorie unterlegbar- wie hochkomplexe dynamische Systeme strukturiert sein müssen, um ergonomisch, effektiv und effizient funktionieren. Weshalb der viel beschworene Paradigmenwechsel bislang nicht funktioniert, liegt nicht nur an vielfältigen Betriebsblindheiten von Verantwortlichen, sondern auch an der flächendeckenden „Dysgnosie-Epidemie“ (vgl. „Zukunft der Wahrnehmung“, Heinz von Foerster). ..“die schweigende Mehrheit kann nicht hören.D.h. sie kann nicht hören und kann nicht sehen,… Read more »

kohlmann
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kohlmann

Lieber Herr Malik, Glückwunsch zur Zusammenarbeit mit den Chinesen. Kann es sein, dass die deshalb interessierter sind (vergessen wir mal, dass die kulturell prädestinierter sind für ihre ansätze sind), weil in ihrer gesellschaft die bereiche politik, wirtschaft, religion, wissnschaft, recht, sport usw. (noch) nicht so stark funktional – gegeneinander! – ausdifferenziert sind? Denn das würde heissen, dass jegliche Organisationen gesamtgesellschaftlich stärker verbunden sind mit der Gesamtgesellschaft, als auch anderen Organisationen. Gibt es hier im Westen Unterschiede des Zugangs zu und der Offenheit für ihre Lösungen in wirtschaftlichen, politischen, wissenschaftlichen und anderen Organisationen? Könnte es sein, dass esin china weniger unterschiede… Read more »

Debitist
Gast
Debitist

Irgendein Teilnehmer aus dem GelbenForum hat ein Video zur Systemkrise erstellt: http://www.youtube.com/watch?v=XXJJQT1MjYw
So langsam wird mehr und mehr Bürgern bewusst, was Sie hier schon seit Jahren ebenfalls beschreiben: Einen Debitismus, in welchem einzig ein optimiertes Management vor dem wirtschaftlichen Untergang schützen kann.

kohlmann
Gast
kohlmann

ich würde fast sagen, dass die welt auf einem guten und keinem schlechten weg ist. es gab bislang drei große globalisierungswellen seit beginn der neuzeit im westen. dabei sind die einzelnen gesellschaften zu einer weltgesellschaft zusammen gewachsen. das problem ist nun, dass die wirtschaft (wie auch die wissenschaft) schon lange global ist, politik, recht (teilweise) und religion (teilweise) aber nicht. die politik muss jetzt stark nachziehen. bsp: tsipris war vor kurzem zu besuch bei der linken, merkel macht für sarkozy wahlkampf usw. dieser prozess hat schmerzliche nebenwirkungen, denn die strukturellen kopplungen, insb. zur wirtschaft, kommen dadurch ins schlingern! das ist… Read more »

kohlmann
Gast
kohlmann

das mit dem schneeballsystem ist ja richtig, was der debitismus sagt, d. h. aber nicht dass es irgendwie schlecht wäre. denken sie doch mal weiter, jegliche kommunikation ist ein kettenbriefsystem, wenn man so will. denken sie sich jetzt noch den menschen raus aus der theorie, sind sie bei der soziolog. systemtheorie. der debitismus muss ontologische axiome annehmen, bspw. dass es handelnde subjekte gibt. zudem kann er seine existenz nicht aus sich sel bst heraus erklären. ich spreche von kommunikation, und das in der form von kommunikation, was sonst. kommunikation tut sich selbst organisieren, da kann ich (die person, als die… Read more »

kohlmann
Gast
kohlmann

das ist widersprüchlich, weshalb ich die aussage aber gerade mag. ihre gemeinschaft besteht dann sozusagen bottom-up aus einzelnen (elementen), die eine emergente gemeinschaft bilden, die top-down-züge trägt. ich meine jedoch, dass ein gesellschaftssystem nur aus pfadabhängig und selbstreferentiell an einander anschließenden kommunikationsereignissen besteht. die begriffe individum, subjekt, peron, mensch usw. (auch empirie usw.) werden innerhalb dieser kommunikationsketten erzeugt und haben kein materiell eindeutiges korrelat. es gibt also keine individuen die kommunizieren, nein, die kommunikation kommuniziert (sich) selbst und legt alles darauf an, weiter zu kommen. insofern ist die finanzkrise (falls es überhaupt eine wirtschaftskrise und keine rein politische krise ist)… Read more »

Stefan Ludwig
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Stefan Ludwig

Sehr geehrter Herr Kohlmann,
in einem Blog sollen relativ kurze Beiträge gepostet werden.
Ihr Beitrag ist kurz. Die Kürze entsteht durch die vielfache Verwendung von Fachbegriffen. Das macht die Kommunikation unter Fachleuten effizient. Nichtfachleute schließt es aus. Mir persönlich geht es so wie Herr Malik gemutmaßt hat: Ihr Beitrag bleibt für mich unverständlich. Ich bitte Sie einen link zu posten auf eine andere Internetseite auf der Sie ihren Standpunkt ausführlich erklären können.
mit freundlichen Grüßen
Stefan Ludwig

Jürgen Clasen
Gast
Jürgen Clasen

Gratulierte Ihnen, Herr Prof. Malik zu dem großen Auftritt heute bei HBonline. Zu Ihren Tools vermag ich nur zu sagen, das sie dem von mir immer angesprochenen und geforderten gesunden Menschenverstand entsprechen. Es sollte doch eigentlich selbstverständlich sein, über den Tellerrand des eigenen Unternehemens zu blicken und zu versuchen zukünftige Entwicklungen zu antizipieren. Maucher: Boni nur bei langfristigen Erfolgen. Ja, das ist doch sonnenklar!„Gute Leistungen werden am Markt stärker belohnt und Misserfolge stärker bestraft“, schreibt Maucher. Umso wichtiger seien die präzisen Branchenkenntnisse. Und da die nicht vom Himmel fallen, ist Fleiß eine weitere wichtige Führungseigenschaft, an der niemand vorbeikomme. Auch… Read more »

Gerhard Freischer
Gast

Während noch immer die Krise in aller Munde ist, ist auch die politische Unfähigkeit in Europa u. den USA unübersehbar. Gleichermassen bleibt die Einschleusung des „Geldes aus dem Nichts“ in die Wertschöpfungsketten aus. Zentralistische und leider auch unbürokratische Handlungsweisen lassen sich nunmal nur lösen, wenn möglichst viele Menschen lernen unternehmerisch zu denken und daher systemimmanentem Schwachsinn mit eigenständig proaktivem Handeln sowie begegnen. Es wäre daher mehr als erfreulich, wenn auch bei uns immer mehr dazu übergehen, die Erfolgsstory des Ostens zu überdenken.